Lehrer mit 40 Stichen hingerichtet

Prozess

© Trimmel

Lehrer mit 40 Stichen hingerichtet

Seit 12. Mai ist er das Gesprächsthema in Wr. Neustadts Schulen – der Mord an dem HTL-Professor Wolfgang Wachter. Gestern stand sein Mörder vor Gericht und es stellte sich heraus: Die Hinrichtung war noch grausiger als angenommen.

Gemetzel

Denis H. (jetzt 28) stach 40 Mal auf Wachter ein, seine Messerhiebe zerfetzten Lungen, eine Niere und die Milz. Die Klinge drang in den Hals des Lehrers ein und schlitzte die Luftröhre auf. Wachter erstickte und verblutete. Sogar seine Pflichtverteidigerin Doris Hohler-Rössel meinte: "So ein Gemetzel habe ich noch nicht erlebt." Vor den Geschworenen und Richter Hans Barwitzius saß ein gebrochener, aber keinesfalls verwirrt wirkender Mann. Erst bei seiner Einvernahme konnte man bemerken, dass er phasenweise keine Kontrolle über sein Handeln hat. So forderte Staatsanwältin Teresa Scherrer zu Prozessbeginn: "Der Angeklagte muss in einer Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher untergebracht werden."

Zuckte plötzlich aus

Der Bauer aus dem honduranischen Dorf El Progreso, Denis Selin Aguilera H., bekam über Vermittlung einen Job auf einem Kreuzfahrtschiff angeboten. Dort lernte er ein österreichisches Mädchen, Sonja (jetzt 34), kennen, die beiden verliebten sich, heirateten und lebten in Österreich, zunächst in Vorarlberg. Schon im "Ländle" kam es zu ersten Ausrastern des Lateinamerikaners, der ohne Job und Sprachkenntnisse ein Außenseiter blieb. Seine Wut darüber versuchte er mit Bier runterzuspülen, sein Minderwertigkeitsgefühl ließ er an seiner Frau aus und an allen Männern, die mit ihr sprachen. Aus Furcht setzte Sonja eine Übersiedelung nach Wr. Neustadt durch, wo in der Nähe ihre Eltern wohnen. "Bei Gefahr hätte ich flüchten können", erklärte sie vor Gericht. Die Gefahr bestand bald: H. wurde trotz psychiatrischer Behandlung und vieler Versprechen rückfällig. Er verdächtigte wildfremde Männer, dass sie etwas mit seiner Frau hätten. Dann war es ihr zu viel, sie verließ ihn. Der Psycho blieb allein zurück, versuchte am 12. Mai 2010 33 Mal, seine Gattin anzurufen. Sie hob nicht mehr ab – also fand sein "zweites Ich" einen neuen Schuldigen. Mit einem Messer bewaffnet läutete er an der Türe seines Nachbarn, den er nur vom Grüßen kannte – Wolfgang Wachter öffnete seinem Mörder.

Er bereut die Tat

40 Stiche später und ein halbes Jahr in U-Haft könne H. manchmal noch immer nicht glauben, dass W. tot ist. "Ich kann darüber nicht sprechen. Ich bereue zutiefst, was ich getan habe." Das Urteil: Er wird in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher gesperrt. Das Urteil ist rechtskräftig.

Autor: Peter Zezula
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