Mama-Mord: Handy überführt Ex-Freund Mama-Mord: Handy überführt Ex-Freund

Polizei klärt auf

© Singer

 

Mama-Mord: Handy überführt Ex-Freund

Die besten Drehbücher schreibt man am besten selbst – das dachte sich Gerhard P. aus Fels am Wagram (für den weiter die Unschuldsvermutung gilt). Der 42-jährige Kleindarsteller und Obmann einer Laienbühne (die zuletzt das Krimi-Lustspiel „Wohin mit der Leiche?“ auf dem Programm hatte) soll am 7. April ein echtes Verbrechen begangen und seine Ex-Freundin Bettina G. in deren Wohnung am Julius-Tandler-Platz im 9. Wiener Gemeindebezirk ermordet haben.

Der gelernte Zimmerer sitzt deswegen auch schon seit geraumer Zeit in Haft – war sich aber sicher, spätestens in der Hauptverhandlung freigesprochen zu werden. Denn das einzige Indiz gegen ihn – ein Einweghandschuh mit seiner DNA – hätte auch von einem früheren Besuch bei der Mutter seines 6 Monate alten Kindes stammen können.

Inszeniertes Alibi
Außerdem hatte Gerhard P. anscheinend das perfekte Alibi (inszeniert): Die Daten sowohl von seinem Handy als auch vom GPS in seinem weißen Dienstauto, einem Peugeot 807, sollten den Ermittlern vorgaukeln, dass sich der Verdächtige zum Tatzeitpunkt am 7. April von 10 bis 16 Uhr niemals in der Nähe des Julius-Tandler-Platzes aufgehalten hat.

Polizei und Staatsanwaltschaft hegten von Anfang an Zweifel an P.s Zeit-Weg-Diagramm. Und bevor kommenden Montag der Haftrichter zum zweiten Mal entscheiden wird, ob der Niederösterreicher hinter Gittern bleibt, wurde nun bekannt, dass die Beamten das Alibi des Verdächtigen doch geknackt haben.

Routineüberprüfung
Demnach haben die Polizisten Zigtausende Handys, die zur Tatzeit am und in der Nähe des Tatortes ins Netz eingeloggt waren, überprüft. Die wochenlange Kleinarbeit machte sich bezahlt: Die Beamten entdeckten bei einer Routineüberprüfung am Arbeitsplatz des Dachdeckers im Adressbuch eines Kollegen eine zweite Handynummer.

Er war am Tatort. Der Eintrag, abgespeichert unter „Gerhard P. 2“, gehört offenbar zu einem Wertkartenhandy – und P. hatte einfach den Fehler begangen, das Billigfunktelefon vor dem mutmaßlichen Mord schon einmal benützt zu haben. Das Handy beweist jedenfalls eines: Gerhard P. war eindeutig am Tatort und telefonierte dort. Fragt sich jetzt nur noch, mit wem. Jedenfalls nicht mit dem Arbeitskollegen, der mit der ganzen Geschichte nichts zu tun hat. Vielleicht mit einem Komplizen, den er mit seinem Dienstauto auf Alibi-Reisen geschickt hatte.

Das mögliche Motiv für die schreckliche Bluttat – Bettina G. wurde mit Dutzenden Hieben erschlagen: Gerhard P. hatte seiner Ehefrau (die keine Kinder bekommen kann) den Seitensprung mit Bettina G. gebeichtet. Die Ehefrau, eine Verwaltungsbeamtin bei der Polizei, vergab ihm. Jetzt wollte Gerhard P. seiner Ex das Baby wegnehmen und es mit seiner Frau großziehen.

Wien. Die Zahl der Morde steigt heuer in erschreckendem Maße an: Erst am Donnerstag wurde im Kraftwerk Freudenau eine zerstückelte Leiche gefunden – die Beine waren vom Oberkörper getrennt (siehe auch S. 16). Einige Tage davor wurde die wehrlose Pensionistin Ilse Engel (76) von ihrer ehemaligen Pflegerin erstochen. Vor zwei Wochen wurde in Niederösterreich die verbrannte Leiche einer Prostituierten gefunden – wahrscheinlich handelt es sich bei dem Täter um einen Serienkiller.

Silvester-Mord: Junge Frau und zwei Männer verhaftet

Nicht nur im Fernsehen bei Inspektor Columbo haben Verbrecher am Ende das Nachsehen. Auch die Wiener Kriminalbeamten sind hartnäckig. Das stellten sie jetzt im Mordfall Harald W. eindrucksvoll unter Beweis: Am vergangenen Silvesterabend starb der Berufschauffeur, Aushilfsgarderobier und Billard-Profi Harry W. unter mysteriösen Umständen. Sturzbäche aus dem Mund blutend, stand er um 18 Uhr im Bademantel vor der Tür seiner Nachbarin und konnte nicht mehr sagen, was passiert war.

Weil nur diffuse Spuren in der Erdgeschosswohnung des 35-Jährigen und Reste abgefeuerter Böller im Hof gefunden wurden, ging man davon aus, dass sich Harald W. beim Hantieren mit Raketen in den Mund geschossen hatte. Ein Schießgutachten ein halbes Jahr später aber zeigte, dass es doch eine Pistolenkugel gewesen war, die beim Aufprall auf die Zähne in so viele Teile zersplitterte, dass sich die Gerichtsmediziner anfangs täuschen ließen.

Durchaus möglich, dass der Schütze so schlau war, genau das einzuplanen – und dass er deshalb mit einer kleinkalibrigen Waffe den korpulenten Wiener niederstreckte. Auf jeden Fall war der Täter aber so clever, sein Verbrechen just am Silvesterabend durchzuziehen, wo jeder einen Schuss als eine weitere Jux-Explosion deuten würde. Auch Nachbarin Sonja W. war dieser Meinung: „Ich habe einen Knall gehört, dachte aber, es war ein Pirat oder so.“

Aufgrund umfangreicher Ermittlungen konnten die Kriminalisten nun die dringend Tatverdächtigen in dem spektakulären Mordfall ausmachen. Wie ÖSTERREICH erfuhr, geht es dabei um Eifersucht und wohl auch um Rache. Im Zentrum des Geschehens steht ein 18-jähriges Mädchen, das ihren Freund, einen 20-jährigen Wiener, dazu angestiftet haben könnte, Harry W. zu erschießen. Wie bereits gestern berichtet, wurde der mutmaßliche Schütze bei einer Polizeiaktion mit der Cobra festgenommen. Am späten Abend und am Vormittag des nächsten Tages klickten auch für die junge Frau und für zwei weitere Komplizen die Handschellen.

Noch nie so viele Morde wie heuer
Im heurigen Jahr steuern wir auf einen neuen absoluten Mordrekord zu. Bereits in den ersten drei Monaten des heurigen Jahres wurden 47 Menschen brutal umgebracht. Im Vergleich zur selben Zeitspanne ein Jahr davor sind das gleich um 14 Leichen mehr – das ergibt ein Plus von 42 Prozent!

2010 wird ein derart starker Anstieg der Morde verzeichnet, dass es am Ende des Jahres erstmals sogar mehr als 180 Tote geben könnte. Hochgerechnet vom ersten Quartal, wird es im Jahr 2010 insgesamt 188 Mordopfer geben.

Zum Vergleich: Im Jahr 2009 waren es lediglich 141 Opfer, 2008 gar nur 101 Tote. Fast keiner der Mörder kommt ungeschoren davon. Die Aufklärungsquote bei Tötungsverbrechen liegt bei 91,5 Prozent, bei Beziehungs¬taten sogar bei 98 Prozent.

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