11. März 2010 09:35
Nach den Missbrauchsvorwürfen im Stift Kremsmünster (Bezirk Kirchdorf) in
Oberösterreich sind drei Patres bereits am Mittwoch ihrer Ämter enthoben
worden. Einer der mittlerweile 75-jährigen Mitbrüder habe den ihm
vorgeworfenen Übergriff bestätigt, gab Abt Ambros Ebhart
Donnerstagnachmittag bekannt. Insgesamt fünf Personen, die in den 80er
Jahren Opfer von Missbrauch.
"Es ist passiert"
"Es ist so passiert", zitierte Abt
Ebhart aus dem Gespräch mit einem der Patres. Dieser soll den Kopf eines
Schülers, der sich neben ihm hingekniet habe, gerieben und und fest in
seinen Schoß gedrückt haben. Der Geistliche habe den Vorwurf in einer ersten
Reaktion als "Unsinn und ein Zusammenreimen nach 30 Jahren" bezeichnet, die
Aussage später aber bedauert, sagte Ebhart. Der Mitbruder sei "sehr
betroffen", dass seine Handlungen als Missbrauch erlebt worden seien.
"Ich bedauere, dass Menschen solche Leiderfahrungen in unseren
Einrichtungen gemacht haben", erklärte Ebhart, der Kremsmünster seit drei
Jahren als Abt vorsteht. Das Stift habe ein Interesse daran, dass alle Fälle
aufgearbeitet werden, und sei froh um jede Hilfe von staatlichen und
diözesanen Stellen. Man werde die Vorwürfe in die diözesane Kommission gegen
Missbrauch und Gewalt einbringen und deren Empfehlungen umsetzen.
"Es braucht die Klarheit, aber genauso die Barmherzigkeit", betonte Ebhart.
Einer der drei Kremsmünsterer Mitbrüder sei geistlicher Begleiter von
Schülern gewesen, ein anderer habe Pfarrtätigkeiten verrichtet, der dritte
Aufgaben im Stift versehen.
Insgesamt neun Fälle
An die Kommission seien - Kremsmünster
eingerechnet - aktuell in Summe neun Missbrauchsvorwürfe herangetragen
worden, berichtete ihr Vorsitzender Josef Gruber. Er erklärte, dass die
Einrichtung, die neben sexuellem Missbrauch auch Gewaltdelikte und
Missbrauch von Autoritätsverhältnissen untersuche, weisungsfrei und
unabhängig sei. Im Fall von strafrechtlichen Gegebenheiten würden
entsprechende Schritte in die Wege geleitet, betonte Gruber.