Mörder Fritzl überstand gut erste Nacht

Enge Überwachung

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Mörder Fritzl überstand gut erste Nacht

Josef F., der Angeklagte im Inzest-Fall von Amstetten, hat die erste Nacht nach dem Urteil vom Donnerstag - lebenslange Haft, dazu wurde die Einweisung in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher verfügt - "gut überstanden".

Psychiater zur Seite
Dem knapp 74-Jährigen sei ein Psychiater beigestellt, sagte der stellvertretende Leiter der Justizanstalt St. Pölten, Erich Huber-Günsthofer. Die Überwachung des Häftlings sei "engmaschiger gezogen" worden.

Der Psychiater, ein Spezialist aus dem Maßnahmenvollzug, habe auch die Urteilsverkündung verfolgt und unmittelbar danach ein Gespräch mit Josef F. geführt, so Huber-Günsthofer. Er selbst habe ebenfalls mit dem Verurteilten gesprochen.

Erleichterung
Bei Josef F. sei eine "gewisse Erleichterung erkennbar" gewesen, obwohl eine derartige Strafe "natürlich eine Belastung" sei. Selbstverständlich gebe es seitens der Justizanstalt eine Suizidprävention.

Anstrengungen
Die Prozesswoche sei "auch für uns anstrengend" gewesen, aufgrund der vorangegangenen Planung jedoch "sehr gut verlaufen", merkte Huber- Günsthofer an. Die Kooperation Justizanstalt-Gericht habe perfekt funktioniert. Lob hatte Huber-Günsthofer nicht zuletzt auch für die "Disziplin der Medienvertreter" parat.

238 Medien vorort
Es sind letztlich 238 Medien gewesen, die den viertägigen Prozess gegen Josef F. am Landesgericht St. Pölten verfolgt haben. Das geht aus einer aktualisierten Aufstellung des Rathauses der NÖ Landeshauptstadt vom Freitag hervor. Die Berichterstatter kamen demnach aus fast 30 Nationen.

Mehrheitlich Deutsche
Neben heimischen stellten deutsche Journalisten das Gros der Medienvertreter, die nach St. Pölten angereist waren. Im von der Stadt erstellten "Ranking" folgten Großbritannien, Spanien, Frankreich und die Schweiz. Sehr stark vertreten war außerdem Skandinavien. Den Weg in die NÖ Landeshauptstadt gefunden hatten in der Prozesswoche laut der Rathaus-Aufstellung u.a. auch CNN und Al Jazeera, die iranische und die irakische Nachrichtenagentur sowie Vertreter von Medien aus Brasilien, Israel und Russland.

Anstrum größer als erwartet
Leo Graf, Hotelier und Obmann des Vereins "Wirte 3100", sprach von einem "Ansturm, der sogar noch etwas größer als erwartet" gewesen sei. Auch am Freitag hätten sich noch einige internationale Journalisten zur Nachberichterstattung in St. Pölten aufgehalten. Für die Organisation seitens der Stadt rund um den Prozess habe es durchwegs Lob gegeben, so Graf.

Es sei gelungen, Imageschaden von St. Pölten abzuwenden und den "Medienansturm in geordnete Bahnen zu lenken", bilanzierte man im Rathaus der Landeshauptstadt. Die Prozesswoche sei eine "Gratwanderung zwischen Dienstleistung und Information" gewesen. Im Mittelpunkt sei der Aspekt gestanden, "was in dieser Situation angepasst" sei. Bürgermeister Matthias Stadler (S) hatte auch am Freitag noch Interview-Termine mit deutschen TV-Stationen.

Polizeieinsatz kostete 36.000 Euro
Die Polizeidirektion St. Pölten hat am Freitag die Gesamtkosten des Einsatzes der Exekutive rund um den Prozess gegen Josef F. mit 36.000 Euro beziffert. Die Vorfeldsicherung "rund um die Uhr" sei bereits am vergangenen Samstag angelaufen, sagte Polizeichef Johann Schadwasser.

Seitens der Exekutive seien durchschnittlich 25 Beamte im Einsatz gewesen. Die Polizei sei mit der Außensicherung und der Verkehrsregelung befasst gewesen und habe zudem die Justizwache im Inneren des Gerichtsgebäudes unterstützt, hieß es im Resümee am Freitag.

Es habe "keine besonderen Vorkommnisse" gegeben, bilanzierte Schadwasser. Die Prozesswoche sei "sehr ruhig" verlaufen, man habe sich alles "wesentlich dramatischer vorgestellt". Es habe "keinerlei Konfliktpotenzial" gegeben. Der Polizeidirektor erwähnte nicht zuletzt auch die "hohe Disziplin der Journalisten".

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