Mordversuch an Mithäftling: 15 Jahre Haft

Von Schnarchen genervt

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Mordversuch an Mithäftling: 15 Jahre Haft

Des Mordversuchs an seinem Zellengenossen Ende Februar in der Justizanstalt Hirtenberg ist ein 20-jähriger Wiener am Dienstag am Landesgericht Wiener Neustadt schuldig gesprochen worden. Er hatte zugestochen, weil er sich durch das Schnarchen des 35-Jährigen gestört fühlte, und wurde - nicht rechtskräftig - zu 15 Jahren Freiheitsstrafe und Unterbringung in einer Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher verurteilt.

Opfer überlebte nur knapp

Damit folgten die Geschworenen dem Antrag des Staatsanwalts. Dieser hatte von "wuchtigen" Stichen mit einem Gemüsemesser mit neun Zentimeter langer Klinge gesprochen, die nur durch Glück und Zufall "knapp daneben" gingen und daher nicht tödlich waren. Das schwer verletzte Opfer wurde durch eine Notoperation gerettet. Der Angeklagte sei hochgradig gefährlich, habe eine niedrige Hemmschwelle, und seine bisherigen Strafen hätten keinen Resozialisierungserfolg gezeigt. Dem psychiatrischen Gutachten zufolge liegt bei dem jungen Mann eine seelische und geistige Abartigkeit vor, zurechnungsfähig war er jedoch.

Gemüsemesser als Tatwaffe
Der Angeklagte hatte die Tötungsabsicht bestritten. Er sei einfach "ausgerastet", habe "nicht nachgedacht", nur "schwarz" gesehen und dem Schlafenden einen Stich in den Hals und einen weiteren in die linke Brust versetzt.  Dann läutete er selbst nach der Justizwache, um Hilfe zu holen. Ein als Zeuge befragter Beamter der Anstalt gab zur Herkunft der Tatwaffe an, dass Gemüsemesser nur in der Küche bzw. bei der Gartenarbeit verwendet würden und in Zellen nichts verloren hätten.

Drogenkonsum ab 13 Jahren
Die Lebensgeschichte des jungen Mannes klang trist: Vater unbekannt, aufgewachsen bei der Großmutter, neun Jahre Sonderschule - kein Beruf. Dann mit 13 Einstieg in den Alkoholkonsum, "Gras", ab 14 Heroin, "aber nie gespritzt", sagte er heute. Das Taschengeld der Oma musste für den Drogenkonsum herhalten, es folgten Eigentumsdelikte als Handlungen der Beschaffungskriminalität.

"Schnarchen" habe Häftling "fertig gemacht"

In der Justizanstalt Hirtenberg, wo er einer der jüngsten Häftlinge war und substituiert wurde, war "alles okay", bis der 35-Jährige Anfang Februar in seine Zelle verlegt wurde. Die beiden hatten einander zwar von der Arbeit in der Gärtnerei gekannt und sich auch gut verstanden, meinte der Angeklagte. Nur das Schnarchen habe ihn fertig gemacht - sein Ersuchen um Verlegung wurde aber nicht ernst genommen. Zwei Monate später wäre der 20-Jährige entlassen worden. "Bitte nicht in eine Anstalt", flehte er am Dienstag am Ende der Verhandlung.

 

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