Muss Österreich Natascha jetzt Millionen zahlen?

Vertuschung

© APA-FOTO: MATTHIAS SILVERI

Muss Österreich Natascha jetzt Millionen zahlen?

Laut Natascha Kampuschs Anwalt Gerald Ganzger, gibt es informelle Verhandlungen, aus denen in den kommenden zehn Tagen offizielle Gespräche werden sollen. Dabei geht es um eine mögliche Entschädigung für die Pannen bei der Fahndung und einem damit verbundenen Millionenbetrag.

Der Ex-Chef des Bundeskriminalamts, Herwig Haidinger, hatte vor wenigen Tagen ausgepackt, dass es bereits kurz nach ihrer Entführung konkrete Anhaltspunkte bezüglich ihres Kidnapper gegeben habe, denen nie nachgegangen worden sein soll. Laut dem Akt, der vom Grünen Sicherheitssprecher Peter Pilz veröffentlicht wurde, handelt es sich bei dem Tipp auf den Aufenthaltsort des Entführers Wolfgang Priklopil um einen anonymen telefonischen Hinweis eines Hundeführers der Wiener Polizei am 14. April 1998, nur eineinhalb Monate nach dem Verschwinden der damals Zehnjährigen. Dabei wurde unter anderem beschrieben, dass es sich bei dem Mann um einen möglicherweise bewaffneten "Eigenbrötler" mit Kontaktproblemen und einem Hang zu "Kindern" im Bezug auf seine Sexualität handle. Auch der weiße Kastenwagen mit dunklen Scheiben, das Entführungsauto, wurde erwähnt.

Weiters wurde jetzt bekannt, dass Priklopil gar kein Alibi hatte, obwohl SOKO-Chef Nikolaus Koch im Jahr 2006 das Gegenteil behauptete. Laut Polizeiakt soll Priklopil "am 2.3.1998 den ganzen Tag zu Hause gewesen zu sein. Er war alleine und kann daher kein bestätigtes Alibi anbieten." 2006, nach dem Auftauchen von Natascha Kampusch, verwehrten sich die inzwischen verstorbene Ministerin Liese Prokop und Koch gegen Schlamperei-Vorwürfe. Koch behauptete damals, Priklopil habe ein Alibi vorgewiesen.

Haidinger sprach schon 2006 von "Vertuschung"
Der ehemalige Leiter des Bundeskriminalamtes (BKA), Herwig Haidinger, hatte bereits am 28. August 2006 in einem Mail an Bernhard Treibenreif, der im Innenministerium für die Bundespolizei zuständig ist, von einem "allfälligen Amtshaftungsanspruch des Opfers" Natascha Kampusch gesprochen. In einem weiteren Mail vom 31. August 2006 beklagt sich Haidinger, dass seine "auch schriftlich ergangene Weisung" an "Erich Zwettler und LPK GenMjr. Koch nicht befolgt" worden sei. Es habe sich für ihn der "Eindruck verstärkt, dass hier 'etwas vertuscht' werden sollte". Treibenreif schrieb in einer späteren Email, er versuche, "die Sache ohne größere Eklats abzuschließen".

Natascha reagierte entsetzt
"Am eigenen Leib zu erleben, wie hier Prioritäten gesetzt wurden, macht mich entsetzt und wütend", meinte Natascha Kampusch jetzt. Scharfe Kritik übte sie vor allem an der Exekutive: "Die Sache wirft kein gutes Licht auf die Ermittlungsmethoden der Polizei." Die Aussagen des vor kurzem abgesetzten Leiters des Bundeskriminalamts, Herwig Haidinger, würden darauf hindeuten, dass auch von Ministeriumsseite nicht auf eine Verbesserung der Situation hingewirkt wurde. "Vielmehr sollte die Sache unter den Tisch gekehrt werden", beanstandete die 19-Jährige. "Ich bin sprachlos", so auch die entsetzte Reaktion ihres Vaters Ludwig Koch. Jemand müsse dafür die Verantwortung übernehmen.

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