Mutter von HIV-Baby: Prozess vertagt

Körperverletzung?

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Mutter von HIV-Baby: Prozess vertagt

Eine 41-jährige Frau, die Ende vergangenen Jahres für Aufsehen gesorgt hat, weil sie ihr HIV-infiziertes Kind nicht behandeln lassen wollte, musste sich am Dienstag im Grazer Straflandesgericht verantworten. Ihr werden Körperverletzung mit Dauerfolge, vorsätzliche Gefährdung anderer Menschen mit übertragbaren Krankheiten sowie Verleumdung vorgeworfen. Ihr Mann, der zunächst als Beitragstäter angeklagt war, verstarb Mitte Mai.

Wunderheiler
Die Angeklagte bekannte sich nicht schuldig und leugnete auch sämtliche Tatsachen zu der Anklage. Diesmal nicht nur die Existenz von Aids - wie sie es als Anhängerin des "Wunderheilers" Ryke Geerd Hamer von Anfang an getan hatte - sondern auch alles, was rund um die Geburt ihrer Tochter vorgefallen war.

"Sie haben die Medikamente, die Ihnen empfohlen wurden, während der Schwangerschaft nicht genommen?", fragte Richter Günter Sprinzel. "Mir ist nichts empfohlen worden", antwortete die Angeklagte. "Sie haben keinen Kaiserschnitt durchführen lassen, obwohl Ihnen dazu geraten wurde?" "Mir ist nicht zu einem Kaiserschnitt geraten worden." "Sie haben Ihrer Tochter nach der Geburt die verordneten Medikamente nicht gegeben?" "Meiner Tochter wurden keine Medikamente verordnet."

Der Richter protokollierte alles, ohne nachzuhaken. "Meine Einstellung ist, dass ich gesund bin. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte mal krank war", sagte die Angeklagte. Dann fragte Staatsanwalt Manfred Kammerer, ob sie meine, dass ihre Tochter ein gesundes Kind sei. "Nein, sie ist in ihrer Entwicklung hinten, seit sie von mir getrennt ist. Ich mache mir ernsthafte Sorgen", meinte die Beschuldigte. "Zu Recht", so der Ankläger. Mittlerweile ist nämlich bei dem einjährigen Mädchen die Aids-Erkrankung ausgebrochen. Der Mutter wurde die Obsorge entzogen, die Kleine lebt nun in einem Kinderdorf. Auch die älteren drei Kinder wurden bei Pflegefamilien untergebracht.

"Was ist HIV?"
Angeklagt ist die Frau auch wegen Gefährdung anderer Personen, unter anderem, weil sie die Hebamme bei der Geburt des vierten Kindes nicht darüber informiert hatte, dass sie HIV-positiv ist. "Ich bin nicht HIV-positiv. Was ist HIV, können Sie mir das zeigen?", sagte sie zum Staatsanwalt, der meinte: "Dass es HIV gibt, ist genauso bekannt, wie dass es keinen 30. Februar gibt". Die Verhandlung wurde vertagt und soll frühestens in drei Monaten fortgesetzt werden.

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