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Nächste Familie wurde in den Kosovo abgeschoben Nächste Familie wurde in den Kosovo abgeschoben

Neue Abschiebung

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Nächste Familie wurde in den Kosovo abgeschoben

Lange hat man in Peggau nahe Graz für einen Verbleib der achtköpfigen Familie Milici aus dem Kosovo in Österreich gekämpft - die Anstrengungen waren aber vergebens: Dienstag früh wurden Prenke und seine Frau Lajde sowie ihre sechs Kinder in ein Flugzeug gesetzt und in ihre Heimat zurückgebracht. In der Gemeinde Peggau, wo die Familie seit 2006 "voll integriert" gelebt hat, zeigte man sich enttäuscht.

Vor zwei Jahren aus Kosovo geflüchtet
Vor rund zwei Jahren war die christliche Familie aus dem Kosovo geflüchtet und nach Österreich gekommen. Zuerst lebte das Ehepaar Prenke und Lajde, beide 38 Jahre alt, in Oberösterreich und kam Anfang 2006 nach Peggau. Gegen einen negativen Asylbescheid hatte die Familie beim Verwaltungsgerichtshof (VwGH) Beschwerde eingelegt. Der VwGH hat im Frühjahr die Behandlung dieser Beschwerde abgelehnt.

"Tragödie"
"Für uns ist das eine Tragödie. Wir haben natürlich gewusst, dass es schwierig wird. Aber ich persönlich habe mir nicht vorstellen können, dass man eine Familie mit sechs minderjährigen Kindern so eiskalt abschiebt", meinte der Bürgermeister von Peggau, Werner Rois am Dienstag. "Das jüngste Kind - der einzige Bub - ist eineinhalb Jahre alt. Christian ist sogar bei uns auf die Welt gekommen."

Sechs minderjährige Kinder
Die Töchter des Ehepaares - Loretta (15), Leonita (13), Margona (10), Antigona (8) und Mimoza (6) - besuchten die Volks- bzw. Hauptschule der Gemeinde. "Sie waren sehr brav und gut in der Schule", so Rois. Die ganze Familie sei sehr nett und voll integriert gewesen, spreche gut Deutsch: "Die Kinder haben gemeinsam mit anderen Geburtstage gefeiert, zwei haben ministriert. Sie haben immer alle mitgeholfen, im Mesnerhaus und bei Veranstaltungen, zuletzt beim Feuerwehrfest."

Nächste Seite: Kritik von Fischer und Gusenbauer an Abschiebung

In der Schule wurden rund 500 Unterschriften für den Verbleib der Familie gesammelt, der Bürgermeister erhielt Unterstützungsbriefe und -E-Mails. Verschiedene Politiker und Institutionen übten Kritik an der geplanten Abschiebung. Landeshauptmann Franz Voves (S) hatte in einem Brief an Innenminister Günther Platter (V) appelliert, "Menschlichkeit walten zu lassen und der Familie ihren weiteren Aufenthalt in Österreich zu ermöglichen".

Spendenaktion
Doch genützt hatte nichts: Die Familie war vor einigen Tagen in Peggau abgeholt, nach Traiskirchen bzw. ein anderes Anhaltelager gebracht und am Dienstag in ein Charterflugzeug - zusammen mit weiteren zehn Abzuschiebenden - Richtung Kosovo gesetzt worden. "Wir haben eine Spendenaktion ins Leben gerufen, damit sie sich wenigstens unten eine Existenz aufbauen können", so Rois. "Sie haben dort ja niemanden - sie sind Fremde dort in Marmull, einem Ort in der Nähe der Stadt Gjakove."

Fischer für Humanität
Bundespräsident Heinz Fischer mahnt "humanitäre Gesichtspunkte" in Asylangelegenheiten ein. Menschen, die in Österreich Schutz gefunden und sich erfolgreich um Integration bemüht haben, sollten "in fairer Weise behandelt" werden und "gegebenenfalls Aufnahme finden", findet Fischer.

"Der demokratische Rechtsstaat muss außerhalb der Reichweite von Terroristen liegen", so der Präsident. Die Feinde einer grundrechtlich geschützten demokratischen Gesellschaft dürften "nicht den Triumph erleben, dass sie uns durch Drohungen und mit verabscheuungswürdigen Methoden zu einem Abbau rechtsstaatlicher Prinzipien zwingen können".

Gusenbauer lässt alle Fälle prüfen
SPÖ-Bundeskanzler Alfred Gusenbauer kritisiert die jüngsten Abschiebungen von abgewiesenen Asylwerbern scharf. "Ich finde das grauslich", sagte der SPÖ-Chef gegenüber dem "Falter". Es mache keinen Sinn, "Leute, die ewig im Land sind, nach Hause zu schicken". Daher habe er ÖVP-Innenminister Günter Platter aufgetragen, alle Fälle zu prüfen.

Gusenbauer will außerdem, dass Asylwerber, die sieben oder mehr Jahre in Österreich leben, integriert sind und nicht straffällig werden, im Land bleiben dürfen. "Dann soll das Asylverfahren abgebrochen werden, weil es sinnlos geworden ist", meint der Kanzler.

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