08. Februar 2010 09:31
Eine Variantenabfahrt am Pitztaler Gletscher ist einem deutschen Urlauber am
Sonntag zum Verhängnis geworden. Der aus Baden-Württemberg stammende Tourist
hatte bei der Abfahrt einen 37-jährigen Landsmann geführt, der bei dem
Lawinenabgang unverletzt blieb. Der Deutsche starb in der Nacht auf Montag
nach Angaben der Polizei in der Innsbrucker Universitätsklinik.
Die zwei Deutschen waren im freiem Skiraum im Bereich Hinterer Brunnkogel in
Richtung Mittelbergferner unterwegs. Der Skiführer fuhr voraus und gab
Anweisungen zum Abfahren. Nach einem kurzen Halt oberhalb der sogenannten
Blattrinne fuhr er in diese steile Rinne ein und hielt am unteren Ende und
forderte den 37-Jährigen auf, nachzukommen. Als dieser in die Geländerinne
eingefahren war und nur wenige Schwünge gemacht hatte, löste sich die 30
Meter breite Schneebrettlawine, die die Variantenfahrer 300 Meter mitriss
und den Skiführer verschüttete.
Brenzlige Situation
Dem 37-Jährigen gelang es, einen Notruf
abzusetzen, den Verschütteten zu orten und aus den Schneemassen zu befreien.
Er wurde am Unglücksort reanimiert und in die Klinik nach Innsbruck
geflogen, wo ihm die Ärzte aber nicht mehr helfen konnten.
Bursch verschüttet
Nach einer jungen Burschen ist am
Montagnachmittag nach einem Lawinenabgang auf der Nordkette oberhalb von
Innsbruck gesucht worden. Er war gemeinsam mit einem Begleiter im freien
Skiraum unterwegs. Wegen der großen Lawinengefahr ist die Suche am
Montagnachmittag vorläufig abgebrochen worden. Es kam zu einer kleinen
Nachlawine.
Keine Entspannung
Die Lawinenexperten erwarten keine Entspannung
der gefährlichen Situation. Abseits der gesicherten Pisten bestand auch am
Montag
"erhebliche" Lawinengefahr, die Stufe "3" der
fünfteiligen Skala. In den Tiroler Tourengebieten herrschten "unverändert
ungünstige Verhältnisse", die Lawinensituation bleibe "heikel".
Gefahrenstellen nur schwer zu erkennen
Gefahrenstellen lagen in
Steilhängen aller Expositionen, hauptsächlich oberhalb etwa 1.600 Metern.
Lawinen könnten bereits bei geringer Zusatzbelastung ausgelöst werden, also
schon durch das Gewicht eines einzelnen Wintersportlers. Zusätzlich
erschwert werde eine sorgfältige Lawinenbeurteilung dadurch, dass
Gefahrenstellen inzwischen häufig wieder überschneit und dadurch im Gelände
nur schwer zu erkennen seien.
Aus stark besonnten Hängen wurde am Montag außerdem mit Selbstauslösungen
von Lawinen gerechnet. Skitouren und Variantenfahrten abseits der
gesicherten Pisten würden Erfahrung in der Beurteilung der Lawinensituation
erfordern. Unerfahrenen wurde dringend angeraten, die gesicherten Pisten
nicht zu verlassen.
NÖ: Gefahr konstant hoch
Auch in Niederösterreich herrscht
zu Beginn der Woche weiterhin erhebliche Lawinengefahr. Es sei auch keine
Entspannung der Situation in Sicht, teilte der Warndienst am Montag in der
Früh mit. Von den Ybbstaler Alpen bis zur Rax-Schneeberggruppe blieb
Warnstufe drei auf der fünfteiligen Skala aufrecht.
Als mäßig (Stufe 2) galt die Gefahr in den Türnitzer Alpen ebenso wie im
Semmering- und Wechselgebiet. Schneebrettauslösung sei schon bei geringer
Zusatzbelastung wahrscheinlich, wiederholten die Experten die Warnung, dass
bereits ein "einzelner Alpinist im Aufstieg" dafür sorgen könne.
Demnach blieb auch Aufruf zu "Zurückhaltung im Gelände"
aufrecht. Gefahrenstellen würden im Lee, hinter Geländekanten, in Rinnen und
Mulden sowie in steilen Lichtungen liegen. Auch Wechten seien teilweise
instabil.
Snowboarder löst Lawine aus
Glimpflich sind am Sonntag zwei
Lawinenabgänge im Bundesland Salzburg verlaufen. Ein unbekannter Snowboarder
löste in Bad Hofgastein (Pongau) um ca. 16.25 Uhr eine Lawine aus, wurde von
ihr verschüttet und von einem 30-jährigen Wiener aus den Schneemassen
befreit. In Saalbach-Hinterglemm (Pinzgau) ging bei der Zwölferkogelbahn
im Bereich der Nordabfahrt eine Lawine ab, die in den Skiweg hineinreichte.
Personen waren keine darunter, berichtete die Polizei.
Vermutlich ein skandinavischer Snowboarder löste in Bad Hofgastein eine rund
50 Meter lange und 50 Meter breite Lawine in freiem Gelände des Skigebiets
Schloßalm zwischen Abfahrt 2 und Lärchenhang aus. Der Wintersportler wurde
selbst verschüttet und von einem zufällig hinterherfahrenden Wiener aus dem
Schnee befreit werden.
Erfolgreiche Suche
Der Verunglückte war völlig verschüttet, der
Retter konnte lediglich einen Teil seines Snowboards sehen. Er blieb aber
unverletzt und fuhr nach der Bergung durch den Wiener einfach alleine ins
Tal ab. Die Bergrettung war mit 18 Mann im Einsatz und der Hubschrauber "Heli
Alpin 7" bereits an Ort und Stelle.
Gegen 16.30 Uhr meldeten unbekannte Skifahrer bei der Zwölferkogelbahn
Talstation, dass soeben im oberen Bereich der Nordabfahrt eine Lawine
abgegangen sei, die auf einen Skiweg hineinreichte. Die Bergrettung
Saalbach-Hinterglemm suchte mit 25 Mann und zwei Lawinensuchhunden nach
eventuell verschütteten Personen. Nachdem die Aktion erfolglos verlief und
keine Abgängigkeitsanzeigen einlangten, wurde die Suche gegen 18.00 Uhr
beendet. Der Anriss der Lawine war im freien Gelände in einer Seehöhe von
etwa 1.700 Metern und erreichte eine Länge von rund 300 Metern und eine
Breite von 50 Metern. Der Auslösungsgrund konnte nicht eruiert werden.