Fabians Mutter

Fabians Mutter

„Nur Glaube gibt mir Kraft"

Fabian ist hier allgegenwärtig. Am Fernseher steht eine Kerze, dahinter hängt sein Bild an der Wand. Am Wohnzimmertisch liegen noch seine Kinder-Bücher, Garfield ist dabei. Auf der roten Ledercouch davor sitzt eine zierliche Frau, gekleidet in Schwarz, das Haar adrett zurückgesteckt. Sie spricht mit fester Stimme, trotz allen Leids, trotz allen Unglücks: Die Frau ist Kathrin W. – eine Mutter, die am Mittwoch das wichtigste im Leben verloren hat – ihr eigenes Kind.

Die Mutter kämpft mit den Tränen, bleibt aber gefasst
Kathrin W. kämpft mit den Tränen, bleibt aber gefasst und spricht mit fester Stimme, als ÖSTERREICH sie am Donnerstagnachmittag in ihrer Wohnung besucht. Immer wieder wiederholt die junge Frau: Ein Interview möchte sie nicht geben.

„Dass Fabian nicht mehr zurückkommt, ist für uns einfach unvorstellbar. Für eine Mutter ist es einfach das Schrecklichste, ein Kind zu verlieren. Ich kann es einfach noch immer nicht glauben“, sagt Kathrin W. im Gespräch mit ÖSTERREICH. Auch seine kleinen Geschwister Eugenie (6) und Emmanuel (2) wissen schon, dass ihr großer Bruder nicht mehr zu ihnen zurück kommen wird. „Wir haben ihnen erklärt, dass er einen schlimmen Autounfall hatte. Dass sein Bett im Kinderzimmer aber in Zukunft leer bleiben wird, haben sie noch nicht verstanden.“

Es war Dienstag, 13 Uhr, als Kathrin W. erfuhr, dass nichts mehr in ihrem Leben so bleiben sollte, wie bisher. Zu dieser Zeit rief die Direktorin von Fabians Schule bei ihr an und sagte nur: „Fabian braucht ihre Hilfe. Kommen sie einfach her.“ Kathrin W. sagt heute: „Ich bin froh, dass sie mir nicht am Telefon gesagt hat, was passiert ist. Ich wäre nicht in der Lage gewesen, dann noch mit dem Auto zur Schule zu fahren.“

Auf dem Wohnzimmer-Tisch liegt noch immer das blaue Nintendo DS, das Lieblingsspiel des achtjährigen Volksschülers. „Er hat es zu Weihnachten geschenkt bekommen. Aber er hat auch gerne gelesen. Besonders Bücher über Römer und Ägypter.“ Im Herbst wollte Fabian mit dem Trompete-Spielen beginnen. „Sein größter Traum war es, eines Tages Pferdepfleger zu werden. Fabian hat sich immer sehr für Pferde interessiert.“

In Fabians Schule herrscht Fassungslosigkeit.
„Ich habe mit seiner Lehrerin gesprochen: Nach Fabians Tod hat sie die Kinder gefragt, wer sein bester Freund in der Klasse war. Alle Kinder haben aufgezeigt. Es ist so schön zu wissen, dass er so beliebt war“, erklärt Kathrin W. Auch Tage nach seinem tragischen Unfall schreiben seine Klassenkameraden aus der 3C des Maria-Regina-Schulzentrums in Wien-Döbling ihm Briefe, malen Bilder für ihn.

„Habe mich zum Glück noch verabschiedet“
Trotz allem Leid wirkt Kathrin W. gefestigt. „Der Glaube gibt mir derzeit meine Kraft. Hätte ich ihn nicht, ich wüsste nicht, wie ich das alles überstehen sollte.“ Jeden Sonntag geht sie mit ihrer Familie in die Kirche, ist selbst in der Gemeinde aktiv. Und das war auch Fabian: Seit drei Jahren war er Ministrant.

Wenigstens ein Trost bleibt Kathrin W.: „Am Morgen seines Unfalls war es bei uns stressiger als sonst, weil ich in der Früh mit dem Kleinen einen Termin beim Arzt hatte. Aber ich habe mich noch wie immer von Fabian verabschiedet. Hätte ich es nicht – ich hätte es mir nie verzeihen können.“ Und dann sind da noch Eugenie und Emmanuel – Fabians zwei kleine Geschwister, die zwar in dieser Woche für immer ihren großen Bruder verloren haben, für die aber Kathrin W. weiter kämpfen wird.

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