27. Juli 2008 21:10
Die heikle Causa ist derzeit angeblich Thema Nummer Eins bei Polizei und
Innenministerium: Hat die Wiener Polizei am 4. Mai 2007 den Kriegsverbrecher
Radovan Karadzic in Handschellen abgeführt, zwei Stunden verhört – aber
seine wahre Identität nicht entdeckt? In den nächsten Tagen sollen
DNA-Spuren aus Karadzics mutmaßlicher Unterkunft in der Märzstraße 148 in
Wien 14 geprüft werden.
Beweisstücke
Rudolf Gollia, Sprecher des Innenministeriums,
erklärt im Gespräch mit ÖSTERREICH: „Wir können weiter nicht ausschließen,
dass Karadzic in Wien war. Es verdichtete sich die Annahme, dass er in Wien
war, weil einige Polizeibeamte sagen, dass Petar Glumac, der in der Wohnung
angetroffen wurde, so aussieht wie Karadzic bei der Festnahme. Solange wir
aber keine Fingerprints, DNA-Spuren oder konkreten Aussagen haben, lässt
sich das nicht beweisen.“
Das zentrale Beweisstück dazu ist ein von „Opa Pera“ mit Handschrift
verfasstes Heilkräuterrezept (siehe oben). Es liegt im Original ÖSTERREICH
vor – und könnte das Rätsel klären:
- Darauf befinden sich noch Fingerabdrücke.
- Jedenfalls könnte ein grafologisches Gutachten klären, ob es sich um
die Karadzic-Handschrift handelt.
- Und: Auf dem Zettel dürften sich auch DNA-Spuren von Karadzic finden,
etwa Hautschuppen.
Bisher allerdings wollte die Notiz niemand haben ...
Spuren könnten sich immer noch in der Wohnung in der Märzstraße befinden.
Schon ein Haar würde ausreichen, um die Identität zu 100 Prozent
festzustellen. Noch immer befinden sich auch Kräuterschachteln von Opa Pera
in der Wohnung. Darauf könnten sich Fingerabdrücke befinden.
Verwirrende Meldungen
Fakt ist: Donnerstag erklärte die
Nachrichtenagentur APA um 18.56 Uhr in einer Eilmeldung: „Innenministerium
bestätigt: Karadzic war in Wien.“ Gollia erklärt nun aber gegenüber
ÖSTERREICH: „Ich habe noch nie bestätigt, dass er hier war, auch noch nie
dementiert. Die APA hat das leider in der Meldung verkürzt.“
Ermittlungen
„Vielleicht ist das Ganze nie eindeutig zu klären.
Wir versuchen jedenfalls zu rekonstruieren, wie die 12-jährige Fluchtphase
von Karadzic verlaufen ist“, so Gollia. „Wir können nicht ausschließen, dass
Karadzic mit falscher Identität in Österreich war.“