Österreicherin filmte heimlich in Röszke

Flüchtlinge

Österreicherin filmte heimlich in Röszke

Das Flüchtlingslager im südungarischen Röszke hat in den vergangenen Tagen für großes mediales Aufsehen gesorgt. Von unterschiedlichen Seiten wurden die dortigen Zustände heftig kritisiert. Ein von einer Österreicherin versteckt aufgenommenes Video, das den Umgang der ungarischen Behörden mit den Flüchtlingen dokumentiert, erregte am Freitag internationale Aufmerksamkeit.

Zum ersten Video geht es hier

Michaela Spritzendorfer-Ehrenhauser wollte, gemeinsam mit zwei weiteren freiwilligen Helfern, eigentlich nur Medikamente in dem Auffanglager abliefern. Sie sei von einem Ärzteteam darum gebeten worden, erklärte sie. Als sie sich am vergangenen Mittwochabend in der Halle mit etwa 400 Flüchtlingen befand, entschied sie sich, die "unmenschliche Behandlung" per Video festzuhalten.

Zu dem zweiten Video geht es hier

"Es ist an der Zeit, wir können nicht mehr wegschauen", begründete Spritzendorfer-Ehrenhauser ihre Aktion. Sie habe die Zustände in Röszke sichtbar machen wollen. "Nach drei Monaten Ansturm ist es noch immer nicht möglich, die Flüchtlinge menschengerecht zu versorgen", kritisierte die Frau des Grünen Politikers Alexander Spritzendorfer, der das Video via YouTube in Umlauf brachte. "Das ist ein Krieg gegen Flüchtlinge."

Viele in Zelten oder im Freien
Die Menschen, "die es in die Halle geschafft haben sind bereits 'privilegiert' im Vergleich zu jenen, die in Zelten oder im Freien übernachten müssen", steht unter dem knapp 50-sekündigen YouTube-Clip. Er zeigt Polizisten mit Mundschutz, die Wurstsemmeln und Wasserflaschen wahllos in die wartende Menge werfen. "Es erinnerte an die Fütterung von Tieren in ihrem Gehege, wie Guantanamo in Europa", sagte Klaus Kufner, ein anderer österreichische Aktivist, der Röszke gemeinsam mit Spritzendorfer-Ehrenhauser besucht hatte, dem britischen Sender BBC.

Generell habe ihn die Situation im Flüchtlingslager Röszke an ein Konzentrationslager erinnert, sagte Kufner. Vor der Halle sollen Hunderte weitere Flüchtlinge "in einer Zeltstadt" hausen, beschrieb Spritzendorfer-Ehrenhauser die Situation. Offenbar gibt es dort auch keine medizinische Versorgung.

Untersuchung eingeleitet
Laut ungarischer Zeitung "Nemszabadsag" leitete der Kommandant der Bereitschaftspolizei eine Untersuchung gegen die betroffenen Polizisten ein. Regierungssprecher Zoltan Kovacs erklärte gegenüber Reuters, er sehe in dem Video nur "Polizisten, die ihre Arbeit erledigen". Sie würden nur versuchen, Ordnung unter jenen herzustellen, "die nicht fähig sind, sich für Essen anzustellen". Außerdem würden die Migranten "im Optimalfall" nur einige Stunden in dem Flüchtlingslager Röszke verbringen.

In den vergangenen Tagen waren von Flüchtlingen immer wieder die langen Wartezeiten bei der Registrierung kritisiert worden. Die Polizei scheint angesichts der Vielzahl der aus Serbien ankommenden Flüchtlinge heillos überfordert. Wegen seiner Flüchtlingspolitik wird Ungarn seit Längerem international kritisiert.

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