Ohrfeige für Lehrerin kostet Vater 500 €

Salzburg

Ohrfeige für Lehrerin kostet Vater 500 €

Zu einer unbedingten Geldstrafe in der Höhe von 490 Euro ist am Dienstagabend am Bezirksgericht Salzburg ein Vater verurteilt worden, der in einer Salzburger Schule der Deutschlehrerin seiner 16-jährigen Tochter eine Ohrfeige verpasst haben soll. Der Vorfall ereignete sich am 29. November 2010 in einer Pause vor dem Konferenzzimmer der Handelsakademie und Handelsschule 1 in der Stadt Salzburg. Das Urteil erging wegen vorsätzlicher Körperverletzung.

Angeklagter nahm das Urteil an
Der 50-jährige Angeklagte nahm das Urteil an. Er meinte, er habe keine Kraft mehr, weiterzukämpfen. Da er ohne Verteidiger zum Prozess kam, kann er in den nächsten drei Tagen noch Rechtsmittel anmelden. Das Delikt ist mit einer Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit einer Geldstrafe bis zu 360 Tagessätzen bedroht.

Das Urteil von Bezirksrichterin Christa Grund lautete auf "70 Tagessätze je sieben Euro", informierte Gerichtssprecher Franz Mittermayr. Bei Uneinbringlichkeit der Geldstrafe wurde eine Ersatzfreiheitsstrafe von 35 Tagen festgelegt.

Körperverletzung

Dem Vater wurde Körperverletzung vorgeworfen, weil die Lehrerin eine Prellung des Kopfes erlitten hatte. Der bisher unbescholtene Angeklagte, ein Hotelfachmann aus Bosnien, bekannte sich nicht schuldig. "Ich habe ihr keine Watschen gegeben, das weiß ich zu hundert Prozent", beteuerte er. Die 58-jährige Lehrerin sprach hingegen von einem gezielten Schlag ins Gesicht.

Hintergrund der mutmaßlichen "Racheaktion" war eine verbale Auseinandersetzung zwischen der 16-jährigen Schülerin und der Lehrerin während des Unterrichts. Das Mädchen soll an der Tafel gekichert haben. Auf die Frage der Deutschlehrerin, ob sie etwas getrunken hätte, soll die Schülerin geantwortet haben: "Wenn ich betrunken sein soll, bist es du auch." Nach der Zurechtweisung durch die Lehrerin rief die Schülerin ihre Eltern an und berichtete weinend über den Vorfall.

Vater und Mutter kamen gegen 11. 40 Uhr in die Schule und verlangten von der Lehrerin eine Erklärung. Offenbar kam es zu Schreiduellen, die anfänglich verbale Auseinandersetzung eskalierte. Laut dem Strafantrag versetzte der Vater mit der flachen Hand einen Schlag ins Gesicht der Lehrerin. Die "Ohrfeige" war offenbar so heftig, dass die Brille der Lehrerin zu Boden fiel. Sie begab sich ins Spital und wurde drei Tage krankgeschrieben.

Gestikuliert oder geschlagen?
Gegenüber der Polizei und Medien gab der Beschuldigte an, er habe wild gestikuliert, aber nicht absichtlich zugeschlagen. Heute brachte er eine neue Version vor: Er habe um Erklärung des Vorfalles in der Klasse gebeten und dabei die Hände der Lehrerin genommen. Als sie ihre Hände nach oben nahm, gerieten seine Hände ebenfalls nach oben, und dabei flog die Brille zu Boden. "Ich bin unschuldig. Ich habe ihr keine Watschen gegeben, das weiß ich zu hundert Prozent."

Lehrerin: "Gezielter Schlag ins Gesicht"

Für die Lehrerin stellte sich die Situation ganz anders da. Der Vater sei mit der rechten Hand gezielt von unten nach oben gefahren und habe sie mit der flachen Hand im Bereich des linken Kieferbogens getroffen und dabei auch ihre Brille mitgerissen, schilderte die 58-Jährige. Sie habe am Nachmittag Kopfschmerzen verspürt und sei auch psychisch angeschlagen gewesen. Ein Kollege, der den Streit beobachtet hatte, erklärte, "für mein Verständnis war es eine Ohrfeige mit der flachen Hand".

Tochter in der Schule gemobbt
Der teilweise aufgebracht wirkende Angeklagte erklärte mehrmals, dass seine Tochter in der Schule gemobbt worden sei. Im Oktober habe ihr ein 15-jähriger Schüler eine Softgun an den Kopf gehalten. Durch die "Beleidigung" der Lehrerin habe sich seine Tochter, die keinen Tropfen Alkohol getrunken hätte, erniedrigt gefühlt. "Meine Tochter wurde leider aus der Schule geworfen, sie ist ohne Ausbildung und ohne Zukunft." Seine Frau sagte aus, dass die Lehrerin geschrien und geschimpft hätte. Eine Ohrfeige habe sie nicht gesehen, erklärte die Zeugin. Der Beschuldigte und die Lehrerin entschuldigten sich gegenseitig während des Prozesses.

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