Opfer lieben Bank-Betrüger

Schmusezone Gericht

© Daniel Raunig

Opfer lieben Bank-Betrüger

Er prellte seine Kunden um 6 Millionen Euro, doch das nahm ihm scheinbar niemand übel. Das Gericht in Klagenfurt wurde zur Schmusezone.

Einen kurzen, aber dafür überaus gefühlvollen Prozess durfte gestern jener 58-jährige Banker aus Sankt Stefan im Lavanttal erleben, der als Filialleiter der Raiffeisenbank über 18 Jahre hinweg insgesamt fast sechs Millionen Euro von 17 Anlegern abgezweigt hatte.


"A Supermensch"

Zu Prozessbeginn am Mittwoch um 9 Uhr hatte sich vor dem Saal 225 des Landesgerichts nämlich eine illustre Fan-Runde versammelt: Freunde und Verwandte des Angeklagten waren gekommen, um ihn beim Prozess moralisch zu unterstützen. "Das wird hier nix, der Saal ist eindeutig zu klein"“, murmelt Richter Christian Liebhauser-Karl und verlegte die Verhandlung kurzerhand in den großen Schwurgerichtssaal. Als dann der Angeklagte aus der Untersuchungshaft vorgeführt wurde, kam es bis zur Eröffnung der Verhandlung zu herzzerreißenden Szenen: Schluchzend und immer wieder um Entschuldigung bittend und Grußworte stammelnd, fiel der geschiedene Banker und Vater von fünf Kindern unter der strengen Aufsicht der Justizbeamten Verwandten und Freunden tränenreich um den Hals. Sogar Bankkunden waren gekommen, um zu zeigen, dass man ihm verziehen hatte: "A Supermensch" – so einer der geprellten Anleger mit feuchten Augen.

Diashow Glückwünsche trotz Verfehlungen
Johann T., Bankbetrüger

Johann T., Bankbetrüger

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Fußball-Liebe

Vor dem Schöffensenat gab sich der Angeklagte nett, zuvorkommend und reuig. Freimütig gab er zu, von dem unterschlagenen Geld auch daheim immer "griffbereit" welches aufbewahrt gehabt zu haben. "Aber die Zinsen habe ich den 17 Anlegern pünktlich ausbezahlt", so der Banker. Das Kapital war freilich weg. Richter: "Wo floss das denn hin?" "Ich habe den Fußballverein von Sankt Stefan 600.000 Euro gesponsert, selber habe ich wohl auch was genommen, ich hatte eine Scheidung und dazu fünf kleine Kinder", versuchte der Banker, sich zu rechtfertigen.


Solidarfonds

Die Anleger bekamen vom Solidarfonds der Bank ihr Geld wieder zurück. Einer, der als Zeuge geladen war, hat 1,2 Millionen sogar schon wieder veranlagt. Richter: "Wo?" – "Na klar, wieder beim gleichen Institut in Sankt Stefan."
Fazit: Vier Jahre und sechs Monate unbedingte Haft. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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