Geständnis

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Zwölf Jahre Haft für "Obama-Räuber"

Zwei Jahre schockte Roland L. (45) als Bankräuber mit Obama-Maske, nun erzählte er vor Gericht seine Geschichte. „Ich sah keinen Ausweg mehr.“

Untersetzt, Stirnglatze, unscheinbar – der erste Eindruck von dem Mann, den Justizbeamten zum Schwurgerichtssaal im Landesgericht Ried führen. Doch seine Schritte sind fest, der Kopf erhoben, als er an den Wartenden vorbeigeht. Es sind großteils Angestellte der Banken, die Roland L. (45) überfallen hat – seine Opfer aus zwei Jahren, in denen er Oberösterreich in Angst und Schrecken versetzte. Seine Serienüberfälle mit der Maske von US-Präsident Barack Obama machten den Bayern zu Österreichs bekanntestem Bankräuber – er war der „Obama-Räuber“. „Ja, ich habe sechs Überfälle und einen Versuch begangen“, gestand L. vor dem Richter. Er spricht klar, deutlich, formuliert seine Sätze genau.

Bei den Überfällen musste auch einmal die deutsche Kanzlerin Angela Merkel herhalten – ihre Maske trug er beim ersten Mal. „Die Masken waren Zufall, noch vom Fasching.“

Kein Zufall war sein Vorgehen: Gezielt wählte er kleine Banken, nutzte Mietautos, falsche Kennzeichen und versteckte sich stets in einem Waldstück bis zum Ende der Alarmfahndung. Die Taktik hatte sich bewährt: Auf die Weise hatte der 45-Jährige in den 1990er-Jahren neun Banken in Bayern überfallen, saß sechs Jahre in Haft, bis 2006.

„Zweck der Strafe ist Einsehen, Neubeginn – was ist da schiefgelaufen?“, fragt Richter Josef Lautner.

L. erzählt von 33.000 Euro Schulden wegen der Geldstrafe für die Überfälle, wie er nach einem Unfall den Job verlor und keinen mehr fand. „Wer will einen Vorbestraften?“, sagt er. Das Geld wurde immer weniger, „es schnürte mir die Luft ab“. So kramte er eine alte Gaspistole hervor und begann, die Banküberfälle zu planen.

„Habe lange mit mir gerungen“
Ob es nicht Skrupellosigkeit sei, mit einer Waffe eine Bank zu stürmen? „Ich weiß, dass ich Schrecken verbreitet habe, aber soll ich zum Schalter gehen und um Geld bitten?“, so L. Die Pistole sei nie geladen gewesen, er habe niemanden verletzen wollen. Auf Frage des Staatsanwaltes, wieso zwischen Diebstahl der ersten Kennzeichen und dem ersten Überfall zehn Monate lagen: „So skrupellos war ich wohl doch nicht, oder?“ Er habe „lang mit sich gerungen“, aber keinen Ausweg mehr gesehen. Der Richter bezeichnete ihn als „Wiederholungstäter“. Das Urteil: zwölf Jahre Haft, nicht rechtskräftig.
 

7 Überfälle und "nur" 88.000 Euro Beute

Lange reichte Roland L. das Geld aus den Überfällen nicht, immer kürzer wurden die Abstände zwischen den Taten.

  • 22.530 € – 21. Nov. 2008: Das erste Mal schlägt Roland L. in Weilbach zu – als „Angela Merkel“.
  • 17.377 € – 28. Juli 2009: Erster Überfall als „Obama“: Doch ein Alarmpaket zerstört die Beute aus der Raika Maria Schmolln.
  • 4.200 € – 4. Dez. 2009: Geringe Ausbeute in Kirchheim.
  • Scheitert – 9. Feb. 2010: Der zweite Versuch in Kirchheim scheitert: Die Bank hat zu.
  • 18.730 € – 11. März 2010: Nach zehn Monaten Pause macht er in St. Johann/Walde große Beute.
  • 19.160 € – 20. Jän. 2011: In Handenberg sackt Roland L. hohen Betrag ein.
  • 5.075 € – 31. März 2011: Geringe Ausbeute, massive Folgen: In Fornach wird Roland L. verhaftet.
Autor: M. Born
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