Razzia gegen Wiener Razzia gegen Wiener

11 Verhaftungen

© Hofstaedter

 

Razzia gegen Wiener "Gürtel-Könige"

Die Fahnder schlugen nach monatelanger Vorbereitung im Morgengrauen zu: Um 7 Uhr am Ostersonntag stürmten in einer geheimen Kommando-Aktion 80 schwer bewaffnete Cobra-Beamte Bordelle und Wohnungen in Wien, Niederösterreich, Oberösterreich sowie München und Spanien.

Es gab elf Verhaftungen, darunter die wichtigsten mutmaßlichen Rotlicht-Bosse vom Wiener Gürtel. Die dicksten Fische im Netz: Gürtel-Boss Richard Steiner (39), sein „Statthalter“ Dusan R. („Rocky“) und zwei Handlanger mit den klingenden Namen „Easy, der Tätowierte“ und „der lange Peter“ – für alle gilt die Unschuldsvermutung.

Die Aktion wurde von einer Sondereinheit des Innenministeriums wie in einem Kriminal-Streifen seit Monaten penibel vorbereitet: In Steiners Stammlokal „Pour Platin“ beim Westbahnhof wurden Wanzen und Kameras installiert. Das Treiben im Lokal wurde lückenlos überwacht – vom Liebesspiel bis hin zu den Besprechungen der Gürtel-Bosse entging nichts den wachsamen Augen von Staatsanwältin Susanne Kerbl-Cortella und einem Richtersenat.

Jetzt drohen Gürtel-König bis zu 20 Jahre Haft
Was die Sondereinheit zu hören bekam, sorgte jetzt für einen der bisher größten Schläge gegen die Gürtel-Szene. Die Verdachtsmomente der Ermittler wiegen schwer: Es soll um Verstrickungen in Menschenhandel (bis zu 10 Jahre Haft), Bildung einer kriminellen Organisation (bis zu 20 Jahre Haft), Schutzgelderpressung, Geldwäsche und sogar Mordversuch gehen.

Kurios: Für Schmunzeln in den Abhörräumen dürfte auch ein Society-Event gesorgt haben, das kürzlich im „Pour Platin“ abgehalten wurde: Zur Präsentation des Buches „Der Wiener Gürtel“ der Grünen-Politikerin Madeleine Petrovic gab sich Ende Jänner die Society im Pour Platin die Klinke in die Hand. Was Richard Lugner und Co. da tuschelten – das Ministerium hörte mit!

Kontakte verloren
Die verhafteten Gürtel-Größen dürften von der Aktion völlig überrumpelt worden sein. „Steiner wusste nicht, wie ihm geschieht“, so ein Insider. Kein Wunder: Der gebürtige Kroate und Ex- Fremdenlegionär verfügte früher über beste Kontakte zur Exekutive. Er hatte unter den Augen der Polizei den berüchtigten „Nokia Klub“ gegründet. Das System: Barbesitzer und Prostituierte zahlten monatlich Mitgliedsbeiträge von 700 bis 2.000 Euro – und waren sicher vor Radau.

Wer ein „kleines Taxi“ bestellte (alles wurde mit Nokia-Handys abgewickelt), bekam zwei Schläger zur Hilfe, in einem „großen Taxi“ kamen fünf. Und: Die Lokale des Nokia-Klubs waren sicher vor der Polizei. Der Klub wurde zerschlagen – es weht offenbar ein neuer Wind bei der Polizei. Und jetzt am Gürtel.

Das sind die Gürtel-Größen

  • Richard Steiner (39): Der tätowierte Veganer zog als Gürtel-Boss in den letzten Jahren alle Fäden auf Österreichs bekanntester Rotlicht-Meile. Der 39-Jährige Nichtraucher gilt als Muskelprotz, wiegt knapp hundert Kilo und schafft 600 Liegestütze in der Minute. Laut eigenen Angaben war er früher Fremdenlegionär, ein Soldat mit Hang zur Philosophie. Bis zu seiner Rückkehr auf den Gürtel im Jahr 2007 nahm er Auszeit in der Dominikanischen Republik, wo er ein Haus besitzt. Dort stählte er seinen Körper, las nebenbei Nietzsche, Heidegger, Schopenhauer, Voltaire und Konfuzius.
  • „Rocky“ Der „Statthalter“ ist die „rechte Hand“ von Steiner und eine wahre Gürtel-Legende. In den achtziger Jahren war der kleinwüchsige Rocky Profi-Boxer in Belgrad – daher auch der Spitzname. In der Szene gilt er als „Fachmann für Sicherheitsfragen“. Im Herbst 2009 geriet er in die Schlagzeilen, als der Mord an seiner Freundin die Unterwelt erbeben ließ.
  • „Easy, der Tätowierte“ Der Vorarlberger fällt durch zwei Dinge auf: Tätowierungen am ganzen Körper und mutmaßliche Skrupellosigkeit.
  • „Der lange Peter“ Leibwächter von Steiner und dessen rechter Hand „Rocky“.

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