Rekord-Strafe für Bankraub-Brüder

Serientäter

Rekord-Strafe für Bankraub-Brüder

„Und – mit welcher Strafe rechnen Sie?“, flüsterte am Montag der ÖSTERREICH-Reporter dem direkt vor ihm sitzenden Serienbankräuber Alexander Lassl zu. Der 27-Jährige wandte überrascht den kahlen Kopf, fixierte den Fragesteller mit seinen hellen Wolfsaugen und murmelte dann: „Ich bin ein Räuber, kein Mörder. Wenn die Geschworenen das richtig sehen, krieg ich bis zu 15 Jahre. Das ist okay, damit muss ich leben.“

Finale im Prozess gegen die Linzer Brüder Christian (25) und Alexander Lassl, die sich schuldig bekennen, in vier Jahren 14 Geldinstitute (in OÖ, NÖ und der Steiermark) überfallen zu haben. Beute insgesamt: fast 1,2 Millionen Euro.

Anfangs war auch ihr Halbbruder Heinz W. Teil der „kriminellen Vereinigung“, wie die Anklage die blutsverwandte Bande bezeichnet. Aber der 45-jährige Komplize spielt im Gerichtssaal von Sankt Pölten nur eine Nebenrolle. Denn er schied schon nach dem fünften Coup aus, weil er damals beim Großeinkauf von Drogen geschnappt und zu drei Jahren Haft verurteilt wurde. Und bei seinen Überfällen war nie eine scharfe Waffe im Spiel.

„Hasta la vista – und 
schöne Weihnachten!“
Die beiden Hauptangeklagten aber machten weiter. Bald mit schussbereiten Pistolen (Glock 17, CZ 75 bzw. M 75 sowie einer PP mit Schalldämpfer) statt Softguns. Und „aus Gier“, wie die Gangster mit Matura gestehen. Also überfielen sie trotz sensationeller Beute (351.995 Euro) in der Raika Weißkirchen drei Wochen später schon wieder eine Bank. Also hielten sie zuletzt auch „Ersparnisse“ von einer Viertelmillion Euro nicht von ihrem 14. Coup ab, nach dem die Rekordräuber verhaftet wurden.

In ihrem Schlussplädoyer führt Staatsanwältin Michaela Obenaus noch einmal die Angst der 40 Opfer vor Augen, die in den 14 Banken von den Überfällen betroffen waren. Jargon der Täter: „Sperr den Tresor auf, sonst blas’ ich dir den Schädel weg!“

Unter den Betroffenen: Die Mutter eines dreijährigen Kindes, die als Kundin eine Überweisung tätigen wollte. Auch eine Mitarbeiterin, die schon zum zweiten Mal überfallen wurde. Manche mussten in Psychotherapie, nachdem sich die Gangster zynisch verabschiedet hatten: „Hasta la vista (auf Wiedersehen) – und schöne Weihnachten!“

Klar für die Anklägerin auch: Als Christian und Alexander Lassl bei ihrem letzten Überfall auf die Raika von Blindenmarkt (4. 12. 2009) von Bankbewacher Andreas G. (40) mit einem Revolver gestellt wurden, versuchten sie, ihn aus dem Weg zu räumen – und nahmen dabei seinen Tod in Kauf. Mordversuch also.

Geschworene: Mordversuch einstimmig bejaht
Verteidigerin Irmtraud Oraz hält in ihrem Schlusswort voll Überzeugung dagegen: Christian Lassl habe zwar auf den Verfolger geschossen. Aber erstens nicht gezielt. Und zweitens in Panik, denn das Feuergefecht sei vom Security eröffnet worden. Alexander Lassl raste dann mit dem Fluchtwagen auf den Wachmann zu: „Aber er wollte nur möglichst schnell weg und hat den Mann in der Dunkelheit gar nicht gesehen. Hätte er ihn tatsächlich töten wollen, wäre das mit der MP auf dem Beifahrersitz leicht gewesen.“

Kein Mordversuch also. Dafür der Antrag, Polizisten als Zeugen zu laden, die den Brüdern auf der Spur waren – und den letzten Bankraub angeblich hätten verhindern können.

Richterin Andrea Humer lehnt den Antrag ab. Die Geschworenen erkennen einstimmig auf Mordversuch. Das Urteil (nicht rechtskräftig): Je 20 Jahre für die Hauptangeklagten, fünf Jahre für ihren Halbbruder. Alexander Lassl wirkt geschockt. Dabei hätte es auch lebenslang werden können.

Autor: W. Höllrigl
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