09. August 2009 20:08
Die Zahl der Schweinegrippe-Infizierten steigt in Österreich rasant – bisher
sind etwa 200 Fälle bekannt. Doch ab Herbst befürchten Experten eine wahre
Welle an Neuerkrankungen.
Der Grund ist einfach: Derzeit befinden sich Tausende Österreicher auf
Urlaub in Hoch-Risikogebieten – also etwa in Spanien oder Südamerika. Viele
werden die Krankheit einschleppen. Und dann gibt es kaum ein Halten: Bereits
im Flugzeug wird sich die Grippe rasant ausbreiten.
Doch auch die Zahl der Personen, die sich im Inland anstecken, wird deutlich
zunehmen. Das kältere Herbstwetter leistet zusätzlich seinen Beitrag zu mehr
Grippekranken.
Vor allem der nahende Schulbeginn bereitet Gesundheitsexperten Sorgen. Denn
Kinder achten weniger auf hygienische Vorschriften als Erwachsene. Auch in
den Kindergärten könnte das Virus zum Problem werden und sich rasch
ausbreiten, warnt der deutsche Virologe Alexander Kekulé. Deshalb schließt
auch Hubert Hrabcik, Direktor für öffentliche Gesundheit im Ministerium,
einen späteren Schulbeginn nicht aus.
Grippe-Impfstoff erst ab September erhältlich
Es ist nun ein
Wettlauf mit der Zeit: Denn mit einer Impfung kann man sich derzeit noch
nicht schützen. „Der Impfstoff wird frühestens im September zugelassen“,
betont Marcus Müllner von AGES PharmMed. Vortests verliefen bisher positiv,
aber bis dahin müssen noch Versuchsreihen an insgesamt 9.000 freiwilligen
Testpersonen erfolgreich abgeschlossen werden. Erst dann kann mit den
Impfungen begonnen werden. Das Prinzip: Medizinisches Personal, Schwangere,
Kinder und Chronisch Kranke zuerst.
Der Infektionsexperte Egon Marth von der Medizinischen Universität Graz
empfiehlt dringend, dass sich alle so bald als möglich impfen lassen – zur
Vorbeugung. Denn er warnt davor, dass das Virus noch gefährlicher werden
könnte: „Wenn das Virus bis zum Herbst zu einem schweren Virus wird, dann
Gnade uns Gott. Denn dieses Virus ist sehr leicht von Mensch zu Mensch
übertragbar“. Dann wäre die Schweinegrippe nicht mehr nur ein Problem für
Risikogruppen, sondern für alle.
Allgemeine Impfpflicht ist nicht vorgesehen
Trotzdem ist eine
allgemeine Impfpflicht derzeit nicht vorgesehen. „Es gibt zum Thema Impfen
einfach verschiedene Meinungen. Wir können die Leute nicht zwingen“, heißt
es aus dem Ministerium.
Es dürfte auch nicht im Interesse des Ressorts sein, die ohnehin defizitären
Krankenkassen mit den hohen Kosten einer groß angelegten Impfaktion zu
belasten. Denn die Impfung ist für die Patienten kostenlos, mit Ausnahme der
Rezeptgebühr.
Bereits Infizierte müssen antivirale Medizin wie Tamiflu schlucken. Nur noch
Risikogruppen wie Schwangere und Chronisch Kranke werden künftig im Spital
behandelt.