Seisenbacher flüchtet vor Sex-Prozess

Olympia-Held

Seisenbacher flüchtet vor Sex-Prozess

Völlig erstaunte Blicke im Großen Schwurgerichtssaal am Straflandesgericht in Wien: Peter Seisenbacher (56), österreichischer Judo-Doppelolympiasieger, blieb seinem Prozess fern – unentschuldigt. Ihm wird schwerer sexueller Missbrauch von zwei Mädchen vorgeworfen (es gilt die Unschuldsvermutung).

„Mir scheint, es fehlt wer“, sagte Richter Christoph Bauer trocken, als er auf die Anklagebank blickte. Selbst der Anwalt des ehemaligen Olympia-Helden, Bernhard Lehofer, war überrascht: „Ich weiß nicht, warum er nicht gekommen ist.“ Noch am Tag zuvor versicherte der Grazer Anwalt, dass Seisenbacher „selbstverständlich“ kommen werde.

Versteckt oder verhindert? Alle suchen Angeklagten

Versteck. Vermutet wird, dass sich der Angeklagte in Aserbaidschan vor der heimischen Justiz versteckt. Dort trainiert er die Judo-Nationalmannschaft. Anwalt Lehofer hatte selbst seit Tagen keinen Kontakt mit seinem Mandanten: „Vielleicht hat er den Flieger versäumt oder ist erkrankt.“

Die Justiz wird jetzt hart durchgreifen: Sollte der Promi-Sportler keine plausiblen Gründe für sein „Schwänzen“ angeben, droht ihm ein internationaler Haftbefehl.

Viele Rechtsexperten wunderten sich schon bei der Anklageerhebung, dass keine U-Haft verhängt wurde. Aber trotz Job in Asien und einer drohenden Haftstrafe meinte damals die Sprecherin der Staatsanwaltschaft Nina Bussek: „Es gibt keinen Anhaltspunkt für Fluchtgefahr.“

Sexueller Missbrauch. Seisenbacher drohen bei einer Verurteilung bis zu 10 Jahre Haft. Er soll 1997 als 37-Jähriger ein Mädchen (damals 9) erstmals bedrängt haben, zwei Jahre später soll es zu geschlechtlichen Handlungen gekommen sein. Im Sommer 2004 hatte er laut Anklage mit einem damals 13-jährigen Mädchen sexuellen Kontakt.

Anwalt: ›Ich weiß wirklich nicht, warum er nicht da ist‹

ÖSTERREICH: Ihr Mandant Peter Seisenbacher ist nicht zum Prozess erschienen.

Bernhard Lehofer: Auch ich bin überrascht und bin davon ausgegangen, dass er heute da sein wird.

ÖSTERREICH: Kennen Sie die Hintergründe?

Lehofer: Dazu kann ich leider nichts sagen, weil ich es einfach nicht weiß. Vielleicht ist etwas passiert oder er hat seinen Flieger versäumt.

ÖSTERREICH: Wann hatten Sie zuletzt Kontakt zu ihm?

Lehofer: Zuletzt haben wir vor einigen Tagen telefoniert.

ÖSTERREICH: Wie geht es jetzt weiter?

Lehofer: Ohne Angeklagten kann nicht verhandelt werden. Es wurde vertagt.

Aserbaidschan: Auslieferung nach Österreich

Sollte sich Judoka Peter Seisenbacher wirklich in Aserbaidschan verstecken, muss er dennoch vor der Justiz zittern. Seit 2006 hat das kaukasische Land ein Auslieferungsabkommen mit Österreich. Das bedeutet: Sollte in diesen Tagen ein Haftbefehl gegen den doppelten Olympiasieger ausgeschrieben werden, müssen ihn die dortigen Behörden an Österreich ausliefern. Außerdem: Bei seiner Trainertätigkeit muss er seine Sportler auch im Ausland betreuen, er kann sich also nicht lange versteckt halten.

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