Sex-Sklavinnen in Wien befreit

Polizeieinsatz

© Bundeskriminalamt

Sex-Sklavinnen in Wien befreit

Ihre Augen waren stumpf, ihre Körper geschunden, der Wille gebrochen. Ermittler des Bundeskriminalamts (BK) haben aus drei Bars in Wien 13 Sex-Sklavinnen befreit.

Mittlerweile macht der Polizeierfolg international Schlagzeilen. Denn die Einvernahmen der Opfer zeigen eine grauenhafte Dimension von Zuhälterei, die im 21. Jahrhundert bereits eliminiert schien.

Die entsetzlichen Details: Bereits im Jahr 1998 begann eine ungarische Mafia-Gang um den 54-jährigen Capo Tibor J., junge Frauen in die Prostitution zu zwingen. Die Opfer wurden über Inserate geködert, die „gute Haushaltsjobs“ in Ungarn und Österreich versprachen. Interessentinnen (im Alter zwischen 19 und 25 Jahren) mussten ihre Dokumente abgeben.

Die Mädchen wurden 
halb totgeprügelt
„Dann wurden sie in ein Gehöft an der rumänischen Grenze gebracht“, berichtet BK-Sprecher Oberst Helmut Greiner. Und dort passierte Bestialisches; das Milieu-Wort dafür ist „zureiten“.

Sprich: Die Mädchen wurden immer wieder blutig geprügelt und von ihren Peinigern in Serie vergewaltigt, bis ihr Wille und Widerstand gebrochen waren. Noch im Folter-Gehöft mussten sie bis zu 20 Freier pro Tag über sich ergehen lassen. Und sobald sie aus Todesangst zu allem bereit waren, wurden sie in Bars und Bordelle gebracht.

Ab dem Jahr 2000 auch in drei Etablissements in Wien: In der Palffygasse, Sandleitengasse (Hernals) und in der Wehlistraße (Leopoldstadt) .

Dort wurden die Ungarinnen und Rumäninnen wie Sklavinnen gehalten: Als Prostituierte ohne Lohn (das Einkommen kassierte die Mafia), tagsüber eingesperrt und nachts nie aus den Augen gelassen. Wer sich nicht fügte, wurde zurück ins Folter-Gehöft verschleppt und dort wieder halb totgeprügelt. Zudem kam es im Laufe der Jahre zu einer bizarren Organisation innerhalb des Syndikates:

Ein Opfer floh aus einer Bar in Wien und ging zur Polizei
Im Gulag an der Grenze setzten die Zuhälter gealterte Prostituierte ein, die zu Komplizinnen geworden waren. Sie wirkten (brutal oder listig) auf jüngere Frauen ein, sich ihrem Schicksal zu ergeben.

Die täglichen Einnahmen der Chefpartie betrugen rund 1.000 Euro pro Tag – bis Anfang November erstmals nach zehn Jahren ein Opfer aus einer der Wiener Bars in ihre Heimat flüchtete. In Ungarn ging die Frau sofort zur Polizei. Eine Woche später schlugen die BK-Fahnder in Österreich zu. Sprecher Greiner: „Capo Tibor und drei weitere Männer wurden verhaftet, zwei weitere Verdächtige sind derzeit noch flüchtig.“

Bei Hausdurchsuchungen wurden Schusswaffen, Juwelen und gebündeltes Bares gefunden. Die meisten der befreiten Opfer reisten nach Ungarn ab, zwei müssen psychologisch betreut werden.

 

Oberst Helmut Greiner: "Insgesamt wohl 200 Opfer"

ÖSTERREICH: Herr Oberst, wie kam das Bundeskriminalamt der Zuhälter-Mafia auf die Spur?
Helmut Greiner: Einem Opfer ist Anfang November die Flucht nach Ungarn gelungen. Dort ging die Frau zur Polizei. Dank der guten Zusammenarbeit, auch der Staatsanwaltschaften, konnten wir schon eine Woche später zuschlagen.

ÖSTERREICH: Die Bande war seit 1998 aktiv?
Greiner: In Österreich seit 2000. Kennt man die Usancen des Gewerbes, werden sie insgesamt wohl zumindest 200 Opfer nach Wien verschleppt haben.

ÖSTERREICH: Wie geht es den Frauen?
Greiner: Elf sind heimgereist, zwei noch in psychologischer Betreuung.

Autor: Wolfgang Höllrigl
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