27. April 2009 12:17
Für den Fall einer Pandemie haben österreichische Experten unter
Federführung des Gesundheitsministeriums einen 74 Seiten umfassenden
Rahmenplan erstellt, der in Anlehnung an Empfehlungen der
Weltgesundheitsorganisation (WHO) das genaue Vorgehen und Abläufe von
Maßnahmen regelt. Gleichzeitig wird die Bereitstellung und Verteilung von
Influenza-Impfstoffen und Medikamenten geregelt. Im folgenden die
Hauptpunkte der 3. Auflage des "Influenza Pandemieplans" vom November 2006:
- Auf Bundes- und Landesebene werden Krisenstäbe eingerichtet (Gesundheitsbehörde,
Influenza-Experten, Juristen, Pressebeauftragte - im Bedarfsfall auch
Vertreter von Ärzte-, Apothekerkammer, Krankenversicherungen, NGOs).
- Bei Alarm durch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) - wenn ein neues Influenza-Virus
aufgetaucht ist, das von Mensch zu Mensch weiter gegeben werden kann -
sollten die Krisenstäbe binnen zwei Stunden zusammen treten können.
Die Mitglieder haben 24 Stunden Bereitschaft.
- Bei Vorliegen einer Influenza-Pandemie wird die Durchimpfung der
gesamten Bevölkerung als wirksamste Schutzmaßnahme angestrebt,
zu bedenken ist dabei allerdings eine Vorlaufzeit bis zur Erstellung
einer passenden Vakzine innerhalb von etwa zehn Wochen. Zu empfohlenen
antiviralen Arzneimittel gegen Influenza zählen laut dem
Expertenplan Oseltamivir, Zanamivir (Influenza A und B) und Amantadin
(nur Influenza A). Sekundärerkrankungen sollen mit Antibiotika
(Makrolide, Ketolide und Amoxicillin) therapiert werden. Bei Mundschutzmasken
sind Modelle der Gruppe FFP3 mit Ventil (für das Gesundheitspersonal)
und ohne Ventil (für Patienten) als Idealmaßnahme vorgesehen.
- Wegen der zeitlich gestaffelten Verfügbarkeit des möglichst
schnell zu entwickelnden Vakzins gilt bei Impfungen folgende Priorität:
- Personen mit erhöhtem Infektionsrisiko (Gesundheitswesen,
Pflegedienste, Lehrer)
- 2. Personen zur Aufrechterhaltung der Infrastruktur und der öffentlichen
Sicherheit (Polizei, Bundesheer, Lebensmittel- und Wasserversorgung)
- 3. Personen mit erhöhtem Komplikationsrisiko: Menschen z.B. mit
chronischen Erkrankungen (Herz-Kreislauf etc.).
- Entsprechend Modellrechnungen wird bei einer Erkrankungsrate von 30
Prozent der Bevölkerung ohne Therapie von rund 36.000 notwendigen
Spitalsaufnahmen in Österreich ausgegangen. Im Fall einer
rechtzeitigen Neuraminidase-Therapie wird mit einer Reduktion auf 15.000
stationäre Aufnahmen gerechnet. Ausgehend von einer
durchschnittlichen Verweildauer von zehn bis zwölf Tagen würden
ca. 8.900 zusätzliche Betten benötigt.
- Jedes Bundesland muss ein "Influenza-Spital" bestimmen, das
einen Krisenplan erstellt. Um bei einem Pandemie-Fall zusätzliche
Krankenbetten zu bekommen, sieht der Plan eine Absage geplanter
Operationen, Aufstockungen durch Betten höherer Klassen und militärischer
Sanitätseinrichtungen sowie die Entlassung von Patienten vor, die
nicht unbedingt im Spital behandelt werden müssen.
- Je nach Gefährdung werden sechs Phasen bzw. Szenarien
unterschieden. Im schlimmsten Fall geht der Pandemieplan von einer
zunehmenden und anhaltenden Ausbreitung in der Bevölkerung aus, die Österreich
oder zumindest Nachbarländer erreicht. Phase 5 spricht von größeren
Krankheits-Ausbrüchen, aber lokal begrenzten Mensch zu Mensch-Übertragungen.
Phase 4 umfasst streng lokal begrenzte, limitierte Ansteckungen zwischen
Personen. "Humane Erkrankungsfälle" durch einen neuen
Virus-Subtyp ohne oder äußerst seltene Mensch-zu-Mensch-Übertragung
fallen in Phase 3. Ist kein Subtyp bei Personen feststellbar und wird
das Ansteckungsrisiko über Tiere als gering eingestuft gelten Maßnahmen
laut Phase 1. Ähnlich sieht es bei Phase 2 aus, Unterschied ist
lediglich eine höher eingeschätzte Ansteckungsgefahr.