So wird mit 
Organen im Netz gedealt

Schockierend

So wird mit 
Organen im Netz gedealt

1.005 Österreicher warten derzeit auf Spenderorgane. Täglich sehnen sie den erlösenden Anruf herbei, dass es ein passendes Transplantat gibt. Offiziell sind sie in fünf regionalen Wartelisten gereiht, je nach Schwere ihrer Krankheit – je weiter oben, desto raescher die Hilfe. Im Schnitt erhalten Österreicher nach 41,7 Monaten eine neue Niere, nach 10,5 Monaten eine Bauchspeicheldrüse oder nach 7,2 Monaten ein neues Herz.

Bevorzugung für Bargeld
So der offizielle Weg. Wie Kurt Grünewald, Arzt und Gesundheitssprecher der Grünen, ÖSTERREICH bestätigt, wird aber immer öfter nachgeholfen: „Auch in Österreich ist es für Patienten möglich, auf der Warteliste nach vorne zu rücken und schneller ein Organ zu bekommen.“ Birgit Priebe von Gesundheit Österreich setzt nach: „Gegen Geld ist Manipulation möglich.“ Heißt: Gegen Cash „verschlechtert“ der Arzt den Befund, der Patient wird als „dringlich“ geführt.

10.000 gehandelte Organe
Damit nicht genug: Der Schwarzmarkt blüht, gegen Unsummen lassen sich im Internet Organe kaufen – ein US-Händler bietet ein Herz um 180.000 Euro und in einer illegalen Klinik im Kosovo werden russische Nieren um 82.000 Euro verpflanzt. Die WHO schätzt 10.000 gehandelte Organe pro Jahr.

Doch auch mit einem gekauften Organ ist der Spießrutenlauf –zumindest in Österreich –nicht zu Ende. Stefan Schneeberger vom Transplantationszentrum der Klinik Innsbruck: „Kein österreichischer Arzt würde jemanden mit einem im Internet erworbenen Organ operieren. Das wäre Beihilfe zum Organhandel.“ Heißt: Die Organe müssten illegal eingesetzt werden – ein enormes Risiko.

Niere: Wartezeit von mehr als drei Jahren

  1. Nieren: 734 Patienten warten auf ein Spenderorgan, durchschnittlich wartet man 41 Monate.
  2. Leber: 112 Menschen bangen um eine neue Leber. Wartezeit: 6,5 Monate.
  3. Herz: 67 Herzen werden gebraucht, 7,2 Monate.
  4. Lunge: 6,9 Monate lang müssen die 66 möglichen Empfänger bangen.
  5. Bauchspeicheldrüse: 17 Österreicher brauchen eine neue, sie warten etwa zehn Monate lang.

Tragisch: 2011 starben in Österreich 105 Menschen, während sie auf Spenderorgane warteten.

"Auch bei uns läuft Vergabe nicht legal"
ÖSTERREICH:
Herr Grünewald, in Deutschland ist ein Organhandel-Skandal aufgeflogen. Wie anfällig ist das System in Österreich?
Kurt Grünewald:
Missbrauch ist auch bei uns möglich. Ein Patient, der auf ein Spenderorgan wartet, kann immer versuchen, seinen Arzt dazu zu bewegen, den Zustand dramatischer anzugeben als es ist.

ÖSTERREICH: Wie soll so ein Missbrauch verhindert werden?
Grünewald:
Das Vergabesystem in Österreich ist prinzipiell sehr gut kontrolliert. Eine Möglichkeit wäre, Stichproben über die Patientenangaben einzuführen.

ÖSTERREICH: Wer entscheidet denn schlussendlich, wer ein Spenderorgan erhält?
Grünewald:
Österreich ist Mitglied im europaweiten Netzwerk Eurotransplant. Dieses vergleicht verfügbare Spenderorgane mit möglichen Empfängern, verlässt sich letztlich aber auf die durch Ärzte erstellten Wartelisten.

 

Autor: (pli, prj)
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