St. Pölten ist der Nabel der Medienwelt

Serie Teil 5

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St. Pölten ist der Nabel der Medienwelt

Zum Jahrhundertprozess gegen Inzest-Vater Josef Fritzl (73) wird St. Pölten von einer Medienlawine überrollt: Kohorten der mehr als 200 angekündigten Berichterstatter und 25 mobile TV-Studios aus aller Welt sind in NÖ, um Millionen Sehern und Lesern den besten Stoff zu bieten. In der Stadt tummeln sich Reporter vom arabischen Sender Al Jazeera bis zum US-Giganten CNN, vom britischen Massenblatt The Sun bis zur elitären Die Zeit.

Drohungen
Alle 409 Fremdenbetten St.Pöltens mit drei oder vier Sternen sind bis Freitag (Urteilsverkündung) belegt. Auf dem Parkplatz neben dem Gerichtsgebäude wurde ein 150 Quadratmeter großes Pressezelt aufgebaut und ein zusätzlicher mobiler Handymast errichtet, damit das Netz täglich Tausenden Telefonaten mit Redaktionen rund um den Globus standhält.

Weil es im Vorfeld Drohungen gegen den Angeklagten und seinen Verteidiger Rudolf Mayer gegeben hat, gilt in der Prozesswoche höchste Sicherheitsstufe. Und das bedeutet: Die Zufahrt zum Gericht wurde gesperrt, Absperrgitter errichtet. Bereits dort sind gleich 25 Polizisten für Zutrittskontrollen postiert.

Flugverbot und Sicherungen
Von Montag bis Freitag gilt über dem Gerichtssaal ein Flugverbot in einem Radius von einem Kilometer und bis 1.800 Meter Höhe, damit der Horror-Vater nicht aus der Luft attackiert oder befreit werden kann. Mit Tretgittern abgesichert ist seit Freitag nicht nur der Haupteingang zum Gericht am Schießstattring, sondern auch das Seitentor in der Heßstraße. Letzteres bleibt laut Polizei während der Prozesswoche gesperrt. Die zwei Demonstrationen am bzw. ab Montag werden Schadwasser zufolge vor dem Gerichtsgebäude stattfinden. Kundgebungen haben die Plattform "Opferoffensive" aus Wien ("Für eine Gesellschaft frei von sexueller Gewalt") und "Resistance for Peace" ("Kinderschutz im Zusammenhang mit Justizbehörden und der Politik") angemeldet.

100 Polizisten im Saal
Im Großen Schwurgerichtssaal wachen 100 Polizisten über 95 zugelassene Berichterstatter und drei Kiebitze wachen – allerdings kaum länger als eine Stunde. Denn um 9.30 Uhr wird der Angeklagte aus der U-Haft vorgeführt und spätestens nach Verlesung der Anklageschrift wird die Öffentlichkeit ausgeschlossen.

Für alle Reporter eine Katastrophe
Denn über die Aussage von Fritzl-Opfer E. (elf Stunden auf Video) darf nicht berichtet werden. Und Zeugen sind keine geladen. Nur die Geschworenen bekommen das ganze Geschehen. Mag sein, dass sie deshalb so streng bewacht werden wie Josef Fritzl selbst.

Wer in der Woche des Prozesses gegen Josef F. in anderer Angelegenheit am Landesgericht St. Pölten zu tun habe, müsse dies nachweisen und werde in der Folge im Bereich der Sicherheitskontrolle abgeholt und begleitet - z.B. von Gerichtsmitarbeitern oder Rechtspraktikanten, hieß es bei der Polizei weiter. Verkehrsprobleme in St. Pölten am Montag vor Beginn des ersten Verhandlungstages gegen Josef F. erwarteten Schadwasser und Bäuchler nicht.

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