31. Juli 2010 18:50
„Es ist nicht schwer, Menschen zu finden, die mit 60 Jahren zehnmal so reich
sind, als sie es mit 20 waren“, meinte George Bernhard Shaw: „Aber nicht
einer von ihnen behauptet, er sei zehnmal so glücklich.“
Pointiert formuliert, aber nicht unbedingt wahr. Denn es gibt zumindest ein
Beispiel, das Satiriker Shaw Lügen straft: Hubert Scheer, 57 Jahre alt. Der
sympathische Steirer ist ungefähr eine Million Mal reicher, als mit 20
Jahren – dabei aber glücklicher als je zuvor.
Die Zinsen des Gewinns: 4.000 Euro pro Tag
Seinen finanziellen
Aufstieg kommentiert Scheer nur mit lächelndem Schweigen oder auch mit dem
Satz: „Glück hat doch immer der Tüchtige, nicht wahr?“ Sein engerer
Bekanntenkreis aber weiß: Der Steirer ist Österreichs heimlicher Lottokönig.
Bei einer EuroMillionen-Ziehung im März 2009 riskierte er 20 Euro für 10
Quicktipps. Und einer traf ins Schwarze, mit den richtigen Zahlen 13, 17,
19, 25, 35 sowie 5, 6 im Sternenkreis. Der Gewinn: 50 Millionen Euro. Mit
drei Prozent verzinst, kann Scheer seither pro Tag 4.000 Euro ausgeben – und
wird trotzdem reicher.
Der Multimillionär hat eine unglaubliche Vorgeschichte
Aber
Geld macht nur unabhängig, nicht unbeschwert. Der Lottokönig weiß es. Also
macht er jetzt das Beste aus seinem Glück, indem er tut, was er am besten
kann: verändern und gestalten, die Kunst des Möglichen ausreizen. Was direkt
zu seiner unglaublichen Vorgeschichte führt.
Hubert Scheer stammt aus einfachen Verhältnissen und engagierte sich früh in
der Politik. Als Landessekretär der Sozialistischen Jugend fiel er Bruno
Kreisky durch seinen rebellischen Idealismus angenehm auf. Bei den
SP-Granden in der Steiermark kam der hemdsärmelige Einsatz für
Chancengleichheit nicht so gut an. Indiz: Scheers Büro in der Parteizentrale
war das Kopierkammerl. Aber der Einzelkämpfer setzte sich durch.
Er wurde SP-Bezirkssekretär – und mit 28 Jahren Österreichs jüngster
Bürgermeister in Maria Lankowitz. Dort ist Scheer dann Jahre später an einem
Alleingang derart gescheitert, dass seine politische Karriere zerbrach: Denn
der Ortschef ging hohe Haftungen für das Freizeitzentrum Piberstein ein, das
eine „Perle“ werden sollte. Doch das Projekt kam nicht in Schwung und
verdiente nicht einmal die Zinsen des 24-Millionen-Euro-Kredits. Folge: In
einer Schlammschlacht wurde der Bürgermeister von der eigenen Partei
abgesetzt – und wechselte als „General Manager“ zur Freizeitinsel.
Trotz Tennisturniere und neu gebauter Konzertbühne stand Scheer dort zuletzt
das Wasser bis zum Hals. Sogar sein Einfamilienhaus war verpfändet und
gefährdet. Fortuna half in letzter Sekunde – und Scheer kaufte den Banken
die Ferieninsel ab. Seither hat er 4,5 Millionen investiert. Und am Grab
seiner Mutter dem Schicksal gedankt.