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Streit um Tempo 80

Salzburg

Streit um Tempo 80

Um Mitternacht trat das neue Gesetz in Kraft, schon Mittwoch kurz vor 6 Uhr früh war die Luftbelastung so hoch, dass Tempo 80 erstmals gefordert war. Damit begann auf der A1 Westautobahn in Salzburg zwischen Salzburg-Nord und Walserberg eine neue Ära – Autofahrer dürfen in diesem Bereich nur noch Tempo 80 km/h fahren, falls die Schadstoffbelastung gefährlich hoch ist. Täglich fahren dort 100.000 Autofahrer, die erste Bilanz ist positiv: „Die Leute halten sich großteils daran, es gibt noch keine Auffälligkeiten“, sagt Oberst Friedrich Schmidhuber von der Verkehrspolizei Salzburg.

Grüne für Luftgüte, ÖAMTC zweifelt an Notwendigkeit
Die Frage, ob Tempo 80 oder nicht, sorgt trotzdem seit Langem für hitzige Debatten.
Die Grünen berufen sich auf die Luftgüte. Verkehrssprecher Georg Willi meint: „Der Hauptgrund für die Temporeduktion sind die Menschen. Es geht um eine bessere Luft und eine bessere Gesundheit.“ Zudem muss Österreich die Luftgütegrenzwerte der EU einhalten, um nicht eine Klage zu riskieren.

Anders der Zugang des Autofahrerklubs ÖAMTC: „In Wahrheit bringt die Reduk­tion von 100 auf 80 wenig . Außerdem sind viele Fahrzeuge betroffen, die gar keine Emissionen ausstoßen“, sagt Bernhard Wiesinger vom ÖAMTC . Eine neue Studie zur Sicherheit bei Tempo 80 gibt den Kritikern Rückenwind: Die Bilanz aus der Testphase in Salzburg zeigt eine Verfünffachung der Unfälle bei Lkws. Und in der dreimonatigen Testphase im Vorjahr gab es einen massiven Anstieg der Strafen.

Temporeduktionen auf 395 Kilometern in Österreich
Auf Österreichs Autobahnen sind Tempolimits auf 395 Autobahn-Kilometern längst Alltag. Im Tiroler Unterinntal gilt Tempo 100, laut Georg Willi funktioniert das gut: „Die Inländer halten sich daran, der Verkehr ist gleich fließend.“ Neben Tirol gibt es Einschränkungen für Autofahrer bei Linz, Graz und auf der A 23.

(prj)

Studie: Mehr Unfälle mit Lkws bei Tempo 80

LKW_Unfall.jpg © TZ Oe/FALLY

Seit Mittwochmitternacht gilt in Salzburg auf der A1 der „Luft-80er“ – laut dem Verkehrsunfallsachverständigen Gerhard Kronreif bringt dieser aber eine hohe Gefahr für die Autofahrer. Eine Studie über die Testphase offenbarte schlimme Zahlen:

  • Fünfmal mehr Unfälle: Die Temporeduktion wurde vor einem Jahr bereits drei Monate lang getestet. In dieser Zeit passierten auf der Strecke mit Tempo 80 gleich 20 Unfälle mit Verletzten und Lkw-Beteiligung. „Das ist eine Verfünffachung der Zahlen“, sagt der Verkehrsexperte Gerhard Kronreif.
  • Gefahr bei Spurwechsel: Die meisten gefährlichen Situationen passierten bei Auf- und Abfahrten und bei Spurwechseln, wenn die Lkws zu schnell unterwegs sind. Zu hohe Geschwindigkeit und zu geringer Sicherheitsabstand sind die meisten Unfallursachen. „Die Pkws, die sich an Tempo 80 halten, werden von hinten von den Lkws bedrängt.“
  • Kritik an Tempo 80: Laut Kronreif schafft Tempo 80 keinen Sicherheitsgewinn für die Autofahrer. „Unter dem Aspekt der Verkehrssicherheit ist diese Maßnahme sinnlos.“
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