16. Juli 2010 19:30
Verrücktes Sommerwetter, nächstes Kapitel. Gestern gab es wieder perfektes
Badewetter mit bis zu 36 Grad. Nichts deutete darauf hin, dass in der Nacht
zuvor Unwetter massive Schäden angerichtet hatten. Überschwemmungen und
Muren beschäftigten die Feuerwehren bis in die Früh.
Alle Wetter-Infos
- Um 15.00 Uhr zogen dunkle Wolken über den steirischen Himmel. In
Leoben krachte der Hagel minutenlang auf den Hauptplatz –
zentimeterdick blieb er liegen. Die Kanäle gingen über und
fluteten die Straßen.
- Auf der Autobahn ging nichts mehr: Die A 2 zwischen Pack und
Steinberg und die Pyhrnautobahn mussten kurzfristig gesperrt werden. Es
herrschte akute Aquaplaning-Gefahr.
- Endzeitstimmung auch in der Obersteiermark: Im Gebiet von Pusterwald
gingen Muren ab, die eine ganze Straße verlegten. Im Bezirk Murau
schleuderte das Gewitter kurz vor 21.00 Uhr Bäume auf die Straße.
Sogar eine Brücke riss der Sturm mit. Einige Familien waren somit
am Berg gefangen, konnten nicht mehr ins Tal.
- In Stübing wurde das SOS-Jugendheim zum zweiten Mal Opfer des
Hochwassers. Schaden 170.000 Euro.
- In Kärnten wurde besonders das Lavanttal getroffen. 40 Liter pro
Quadratmeter regnete es. Die Abwasser-Kanäle hatten keine Chance
gegen diese Mengen.
- Am schlimmsten war es in Frantschach. Die Lavant trat über die Ufer
und setzte zahlreiche Häuser und Garagen unter Wasser. Der VW
Passat von Iris Pöchheim erlitt einen Totalschaden: „Unsere
Garage stand zwei Meter unter Wasser – mein Auto schwamm
mittendrin. Jetzt ist immer noch alles voller Schlamm und Dreck. Die
Versicherung wird wahrscheinlich nicht für den Schaden aufkommen.“
- 7,4 Millionen Euro verlor die Landwirtschaft in Niederösterreich.
15.300 Hektar Anbauflächen wurden plattgemacht.
- 1.861 Feuerwehrleute waren in NÖ im Einsatz. Um Leben und Tod ging
es, als ein tschechischer Autofahrer in eine Bahnunterführung fuhr
und im tiefen Wasser stecken blieb. Im letzten Moment konnte er sich
retten.
Heute droht ein noch heftigeres Gewitter im gesamten Bundesgebiet.
Sturm-Tief „Petra“ erreicht Österreich
Nächste Seite: So zieht das Unwetter heute über Österreich
Die vergangenen Unwetter waren nur eine Vorahnung für die heutigen Stürme –
so Wetter-Experten von der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik
(Zamg). Ab acht Uhr früh wütet Tief „Petra“ über Österreich. Mit Starkregen,
Windböen bis zu 120 km/h und Hagel.
Das Wetter schlägt gleich zweimal zu. Kurz bevor die eigentliche Sturmfront
eintrifft, beginnen Regenfälle. Mit „Petra“ kommen dann Gewitter und Stürme.
Alle Wetter-Infos
8 bis 10 Uhr: Die Kaltfront erreicht Österreich
In Vorarlbe
beginnt das Wetter-Drama. "Petra" erreicht ab 8.00 Uhr die Grenze.
Eine punktgenaue Vorhersage ist nicht möglich, aber die Meteorologen geben
dem Sturm einen Zeitkorridor von zwei Stunden. Regenfälle von 30 bis 50
Liter pro Quadratmeter sind zu erwarten.
12 bis 14 Uhr: Sturm über Tirol
Zur Mittagszeit erreicht "Petra"
Tirol. Auch hier muss mit sintflutartigen Regenfällen gerechnet werden.
14 bis 16 Uhr: Salzburg und Oberösterreich unter Wasser
Am
Vormittag erleben Salzburger und Oberösterreicher noch ein wenig
Sonnenschein. Ab 14.00 kommt das Unwetter mit Starkregen. Achtung: Vor allem
die Open-Air-Kino-Leinwand am OK-Platz in Linz ist gefährdet - sie könnte
verweht werden.
15 bis 17 Uhr: Relativ ruhig in Kärnten
Das südliche
Bundesland wird mehrheitlich verschont. Es wird zwar ab dem frühen
Nachmittag Regenfälle geben, die heftigen Gewitter ziehen aber an Kärnten
mit großer Wahrscheinlichkeit vorbei.
12 bis 18 Uhr: Ennstal Classic
Die Sturmfront erreicht die
Steiermark bereits gegen Mittag (im Raum Bruck an der Mur). Starke Winde mit
60-90 km/h sehen die Wetter-Experten kommen. Ein Event wird besonders
gefährdet: Die Ennstal Classic, ein Oldtimer-Rennen. Gerade heute sollten
die teuersten Museumsstücke ausfahren.
18 bis 22 Uhr: Hagel am Life Ball
Wahrscheinliches Opfer von
Hagel und Stum (bis zu 120km/h!) ist die spektakuläre Eröffnung des Life
Balls am Wiener Rathausplatz. Mit dabei: Liz Hurley und Bill Clinton.
Seitens der Stadt gibt es keine genauen Regeln, wann das Event abgebrochen
werden muss. Sicherheitshalber inspizierten gestern Statiker noch die Bühne.
Ebenso in Gefahr ist das burgenländische Rockfestival Forestglade (hauptakt
Faith no More). Ein Ende des Unwetters ist erst für die Früh angesagt.