Tempo 30 für Wien erregt ganz Österreich

Widerstand

© TZ ÖSTERREICH/Kernmayer/Singer

Tempo 30 für Wien erregt ganz Österreich

Nachdem Wiens Grünen-Chefin Maria Vassilakou in ÖSTERREICH ankündigte, in allen Wohngebieten nur mehr Tempo 30 zu erlauben, ist die Aufregung perfekt: Bereits jetzt gilt zwar im Großteil Wiens Tempo  30, aber einige Bezirke verweigern sich bereits seit Jahren und wollen jetzt auf die Barrikaden steigen: „Ich werde eine Volksbefragung im Bezirk durchführen, wenn Vassilakou das wirklich will“, kündigt etwa Adolf Tiller, ÖVP-Bezirksvorsteher des zutiefst bürgerlichen Nobelbezirks Döbling an.

Weniger Autos
Mit SPÖ-Bürgermeister Michael Häupl hat sich Neo-Verkehrsstadträtin Vassilakou im rot-grünen Regierungspakt jedenfalls bereits 
geeinigt, den motorisierten Individualverkehr um 30 Prozent zu verringern.

Neben Umweltschutz und Gesundheit soll dadurch auch die Sicherheit verbessert werden. „Geplant ist die Ausweitung der Tempo-30-Zonen auf alle Wohngebiete“, sagt Vassilakou.

Ausnahmen für Durchzugsstraßen
Vor allem in Döbling, Brigittenau, Floridsdorf und Donaustadt sowie in der Josefstadt, Landstraße, in Favoriten und Liesing gibt es noch viele Wohngebiete, in denen noch freie Fahrt für freie Bürger herrscht. Der grüne Verkehrsexperte 
Rüdiger Maresch, der die Tempo-30-Zonen mit der SPÖ ausverhandelt hat, versucht, die Autofahrer zu beruhigen: „Ausgenommen werden selbstverständlich Durchzugs­straßen, wie der Gürtel, die Lände, die Burggasse, Triester Straße, Wattgasse oder die Brünner Straße.“

Grüne Welle für Öffis
Allerdings gibt es nicht nur Zoff mit Autofahrern und Bezirkskaisern. Auch die Wiener Linien sind nicht begeistert, die Busse sollen auch weiter in Nebenstraßen über 30 km/h fahren können. Ihnen bieten die Grünen als Gegenleistung eine grüne Welle bei den Ampeln an: „Die Durchschnittsgeschwindigkeit der Öffis ist jetzt ja auch nur 35 km/h. Aber die Busfahrer sollen künftig die Ampeln fernsteuern können, sodass sie immer Grün haben. Diese Möglichkeit besteht ja bereits jetzt bei fast allen Ampeln“, so Maresch.

ÖVP-Bezirkskaiser Tiller: "Dann mache ich Volksbefragung"
Fast ganz Wien ist bereits jetzt Tempo-30-Zone. Ganz Wien? Nein! Ein Nobelbezirk im Norden leistet seit Jahren erfolgreich Widerstand. Adolf Tiller, ÖVP-Vor­steher des 19.  Wiener Gemeindebezirks Döbling, hält den Plan von Wiens Grünen-Chefin Maria Vassilakou gar für gesundheitsgefährdend: „Da muss man erst einmal die Ärzte fragen, ob das sinnvoll ist, wenn da die Autos im zweiten Gang beim Fenster vorbeifahren. Das gibt ja ganz schön Abgase“, so Tiller. „Ich bin nicht gegen Tempo  30, aber natürlich muss man dann im Sinne der direkten Demokratie die Bevölkerung fragen. Ich werde eine Volksbefragung im Bezirk abhalten, wenn Vassilakou Tempo  30 wirklich will“, sagt Tiller.

Autor: K. Nagele
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