Todesdrohung: Großalarm bei Sikh-Prozess

Zeugenaussage

 

Todesdrohung: Großalarm bei Sikh-Prozess

Freitag früh herrschte seltsames Treiben im Wiener Landesgericht: Doppelte Sicherheitskontrolle, auf den Gängen Elitecops der Sondereinheit Wega, vorm Großen Schwurgerichtssaal drängten sich Rauschebärte mit bunten Turbanen wie sonst nur bei Zeitungskolportagen.

Mord im Dom
Drinnen wurde der so genannte Sikh-Prozess fortgesetzt, auf den hiesigen Kulturkreis umgesetzt: ein Mordversuch am Papst im Stephansdom. Wie berichtet, haben sechs religiöse Sikh-Fanatiker am 24. Mai 2009 einen Tempel der indischen Ravidass-Gemeinde in Wien-Rudolfsheim gestürmt, um einen Glaubenskrieg auszutragen. Hintergrund: Ravidass verbeugen sich vor ihrem Guru – für Sikhs ein Frevel, für sie zählt nur das Heilige Buch.

Religionskrieg
Grund genug offenbar für ein Massaker. Denn am Tag des Anschlags war Guru Sant Niranjan Dass in Wien und zu Besuch im Tempel. Das Sikh-Sextett nahm ihn ins Visier einer Makarov-Pistole und zog auch noch beängstigende Dolche. Resultat: Der Guru wurde lebensgefährlich verletzt, sein Stellvertreter erschossen.

Knalleffekt
Beim Mordprozess am Freitag wurden erstmals Zeugen einvernommen. Die ersten drei (Sikhs) stellten sich allerdings so ahnungslos, dass die Staatsanwältin ein Verfahren wegen falscher Zeugenaussage androhte.

Um 13.10 Uhr aber dann der Knalleffekt: Richterin Susanne Lehr rief einen Mann auf, der aus Sicherheitsgründen nicht auf der Zeugenliste aufschien, weil es laut Justiz "ein Bedrohungsszenario“ gibt. Von 16 (!) uniformierten und zivilen Polizisten geschützt, sagte der angeschossene Guru Niranjan Dass aus.

Skurrile Quintessenz: "Ich kann den Hauptverdächtigen Jaspal Singh (35) nicht als Täter identifizieren.“ Dann: "Ich sah nur eine Hand mit einer Waffe. Danach weiß ich nichts mehr.“ Und: "Mein Geburtsdatum weiß ich nicht.“ Die Angeklagten zeigen keine Regung. Der Prozess geht Montag weiter.

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