Todesschüsse: Polizistin im Visier

Falschaussage?

© TZ Österreich Niesner

Todesschüsse: Polizistin im Visier

Weiterer Zündstoff im Krems-Drama: Freitag bekam der 43-jährige Polizist Andreas K. wegen „fahrlässiger Tötung“ acht Monaten bedingt, weil er den Supermarkt-Einbrecher Florian P. (14) erschossen hat. Das (umstrittene) Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Dafür überlegt die Staatsanwaltschaft, jetzt auch die Kollegin des Todesschützen anzuklagen. Denn im Drama hatte die Inspektorin Ingrid G. eine Hauptrolle gespielt. Als Zeugin vor Gericht wirkte die 35-jährige Blondine aber, als würde sie die wichtigste Szene nicht kennen. Richter Manfred Hohenecker kommentierte den unglaubwürdigen Auftritt so: „Es gibt Hinweise, dass Sie mehr wissen, als Sie hier gesagt haben.“

Der Verdacht ist begründet – eine kurze Rückblende zeigt es: Am 5. August 2009 um 2.28 Uhr ertappte die Besatzung der Funkstreife „Krems 1“ die vermummten Einbrecher Florian P. und Roland T.(17) in einem Verbindungsgang zum großen Verkaufsraum von „Merkur“.

Hat sich die Funkstreife „Krems 1“ abgesprochen?
Cop Andreas K. gab einen Warnschuss ab, die Babygangster versuchten, zu türmen. Als Roland T. eine Tür aufreißen wollte, jagte ihm die Beamtin eine Kugel durch beide Beine. Der Verletzte brach im Verkaufsraum zusammen; Sekunden später wurde sein Komplize dort von Andreas K. erschossen. Im Prozess gegen ihren Kollegen behauptete Ingrid G. , sie könne zur Tötung nichts sagen: „Ich habe nichts gesehen, weil ich nicht dabei war. Nach meinem Schuss bin ich wie gelähmt im Verbindungsgang stehen geblieben.“

Schlecht für sie: Der verletzte Roland T. und auch Supermarkt-Mitarbeiter Hans K. (der zum Einbruchsalarm gekommen war) erinnern sich anders. Und Schütze Andreas K. sagte aus, er habe gehört, wie die jüngere Beamtin über Funk die Rettung angefordert hat – also muss sie im gleichen Raum gewesen sein.

Amnesty International-Chef Heinz Patzelt fordert ein Verfahren: „Falsche Zeugenaussagen von Polizisten darf die Republik nicht hinnehmen.“ Weiteres Unbill für die Cop Ingrid G.: Wegen der Schussabgabe auf Florian T. wurde sie nicht angeklagt. Opferanwältin Nadja Lorenz hat jetzt beantragt, dass die Ermittlungen wieder aufgenommen werden.

Die Dienstbehörde muss gesondert prüfen, ob K. jemals wieder Dienst mit Waffe versehen darf.
Skandalös: Gruppeninspektor Andreas K., der im Fall Krems zu acht Monaten bedingter Haft verurteilte Cop, ist ab morgen wieder im Dienst. Wie Tausende andere Polizisten versieht K. am Montag Innendienst – obwohl er im Kremser Supermarkt Florian P. tötete.
K. erledigt nun Akten im Landespolizeikommando St. Pölten. Er behält den Beamtenstatus, es gibt für ihn keine beruflichen Konsequenzen.
Ob und wann K. mit einer Waffe im Außendienst tätig sein wird, ist noch unklar. Andreas Thenner vom Landespolizeikommando St. Pölten: „Zuerst müssen jetzt einmal die Einspruchsfristen verstreichen und das Urteil schriftlich verfasst werden. Dann wird erst die Dienstbehörde der Polizei eine gesonderte Prüfung vornehmen.“ Seine Waffe ist an das LPK übermittelt worden. Nadja Lorenz, Anwältin der Gegenseite: „Er ist nicht geeignet, Dienst mit einer Waffe zu versehen.“

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