Tourismus: Österreich ist ausgebucht

Massenansturm

© TZ ÖSTERREICH/Niesner

Tourismus: Österreich ist ausgebucht

Dicke Pelzmützen in Kitzbühel, Wodka zum Kaiserschmarren in Zell am See und Rubel-pralle Geldbörsen im Gasteiner Spielcasino – die Russen beherrschen Österreichs Wintersport-Orte wie nie zuvor. Rund 80.000 Urlauber aus der Taiga sind derzeit bei uns. In den letzten 5 Jahren hat sich etwa in Tirol der Ansturm russischer Gäste verdoppelt. Highlight für die Ivans und Elenas ist das orthodoxe Weihnachtsfest am 6. Jänner – zu dieser Zeit bekommen die Russen 10 Tage Urlaub und nützen den für prestigeträchtige Ferien in Österreichs Nobelorten. 93 Prozent aller Buchungen fallen rund um dieses Datum an.

Austro-Hoteliers jubeln über Ost-Ansturm
Vor allem Vier- und Fünfstern-Hoteliers freuen sich über das zahlungskräftige Publikum aus Moskau, St. Petersburg & Co. Denn diese Gäste lassen rund 30 Millionen Euro allein in ihren Winterferien in Österreich, schätzt der Mehrwertsteuer-Rückerstatter Global Blue. Tourismus-Experte Peter Zellmann erklärt: „Zu uns kommt die russische Oberschicht. Das ist eine zahlenmäßig große Gruppe, die weniger aufs Geld schaut.“ Hoteliers sind zufrieden, da die Luxus-Gäste im gefürchteten Jänner-Loch für Auslastung sorgen. Eigene Skilehrer mit Sprachkenntnissen werden angeboten, auch die Speisekarten werden ans anspruchsvolle Publikum angepasst.

Klischee vom Wodka-Säufer ist falsch
Exzesse mit wilden Wodka-Orgien und polternden Gästen in Trainingsanzügen entsprechen nicht mehr der Realität. Vielmehr wird Wert auf gute Kleidung gelegt. Russische Urlaubsprofis schicken sogar ihre Chauffeure per Limousine oder Luxus-SUV vor – die Kofferräume vollgepackt mit Designer-Kleidung und Playstations für die Kinder.

Putin als alpiner Urlaubs-Trendsetter in Österreich
Seit Wladimir Putin am Arlberg selbst Ski gefahren ist, boomt Österreich als Destination in Russland. Ein Umstand, den auch die Österreich Werbung vor Ort nützt, ebenso Incoming-Anbieter mit Ost-Fantasie.

Auf den heimischen Pisten sind die Russen derzeit voll präsent. Ein Blick auf die Zahlen bestätigt: Auf derzeit 500.000 urlaubende Österreicher kommen 80.000 Russen. Die 400.000 deutschen Urlauber runden den Gästemix ab – der Rest entfällt auf Holländer, Italiener, Tschechen und Ungarn.

Ein Highlight steht noch bevor: Im Februar kommt der Chef der russischen Nationalbank nach Zell am See – mitsamt 22-köpfiger Entourage.

Tourismus-Experte: "Russen geben viel Geld aus"

ÖSTERREICH: Die russischen Gäste werden für den österreichischen Tourismus immer wichtiger. Warum?
Peter Zellmann: Österreich ist das Tor zum alpinen Westen. Die Gäste, die zu uns kommen, sind großteils aus der russischen Oberschicht. Und die sind sehr kaufkräftig und schauen weniger aufs Geld.

ÖSTERREICH: Was schätzen die Russen an Österreich?
Zellmann: Wir sind immer noch günstiger als die Schweiz und Frankreich und haben tolle Skigebiete. Einzelne Orte wie Gastein setzen voll auf die Zielgruppe aus dem Osten. Eigene Menüs mit viel Essen für die Russen sind aber ein Unsinn – das sind bestenfalls Einzelfälle.

Volle Betten im Super-Winter

Sepp Schellhorn, Chef der Österreichischen Hoteliersvereinigung, spricht von einem guten Kurs der Tourismus-Wintersaison 2010/11. Durch die hervorragende Schneelage weit vor Weihnachten sprangen die Buchungen schon Anfang Dezember an. Weihnachten und Silvester waren in den Top-Skiorten alle Zimmer ausgebucht – die Herausforderung für die Touristiker liegt am Saisonende, das durch die späten Osterferien spannend wird. Im Vorjahr gab es mit 62,7 Millionen Nächtigungen das drittbeste jemals erhobene Winterergebnis – heuer dürfte die Saison ähnlich gut ausfallen. Auch die Zahl der Gäste-Ankünfte soll auf dem Rekordniveau des erfolgreichen Vorjahres bleiben.

Familien- und Kinderhotels bringen Umsatz-Plus
Siggi Neuschitzer, Gründer der Kinderhotels, vereint in seiner Gruppe 51 Betriebe – er zieht eine weihnachtliche Erfolgsbilanz: „Bis 9. Jänner sind unsere Häuser von der Gerlos bis nach Kärnten perfekt gebucht. Wir rechnen sogar mit einem leichten Plus, obwohl die Feiertage ungünstig gefallen sind.“ Neuschitzers Resümee: „Von Krise keine Spur – auch die Semesterferien werden nach aktueller Buchungslage hervorragend laufen.“

Hoteliers-Präsident: "Wir sind sehr zufrieden"
ÖSTERREICH: Wie sieht die Bilanz des Weihnachtsgeschäfts im Tourismus aus?
Sepp Schellhorn: Wir liegen gut im Rennen, wegen der ungünstig gefallenen Feiertage wird es aber keinen Rekord geben. Geholfen hat uns die tolle Schneelage in allen wichtigen Skigebieten, die schon vor Weihnachten die Betten gefüllt hat.

ÖSTERREICH: Wie sieht der Ausblick auf die Semesterferien und den Rest der Wintersaison aus?
Schellhorn: Jetzt müssen wir einmal den Jänner bewältigen – da helfen uns Gott sei Dank auch die Russen. Die Semesterferien werden gut – allerdings wird die Saison durch späte Ostern heuer recht früh enden.

Autor: F. Horcicka
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