Unheilsboten und böse Omen

Finsternis

Unheilsboten und böse Omen

Sonnen- und Mondfinsternisse galten in der Geschichte lange Zeit als angsteinflößende Ereignisse und Unheilsboten. Viele Quellen überliefern, dass etwa Machthaber die Kenntnisse von Astronomen nutzten, um mit ihren Vorhersagen andere Menschen zu beeindrucken und zu beinflussen.

So wird Christoph Kolumbus nachgesagt, er habe 1504 die Gunst der Einheimischen auf Jamaika erlangt, indem er eine derartige Mondfinsternis voraussagte. Einer Mondfinsternis ist auch der Untergang Athens im Peloponnesischen Krieg zuzuschreiben, da die Athener wegen dieser ihren strategisch wichtigen Rückzug um einen ganzen Monat verschoben hatten. Im 15. Jahrhundert konnten türkische Belagerer die Stadt Byzanz einnehmen, da die christlichen Verteidiger die Verdunkelung des Himmels als unheilvolles Zeichen Gottes ansahen.

Inspirierendes Naturschauspiel
Speziell Sonnenfinsternisse waren aber auch Inspirationen für Künstler. So beschrieb Adalbert Stifter die totale Verdunkelung des Jahres 1842 als "das Holdeste", was er je an Lichteinwirkung gesehen habe. Er schildert in einem Aufsatz: "Farben, die nie ein Auge gesehen, schweiften durch den Himmel. Ich war von Schauer und Erhabenheit so erschüttert, es war als hätte Gott ein deutliches Wort gesprochen und ich hätte es verstanden."

Die Beschreibungen der Ereignisse in den verschiedenen literarischen Zeugnissen ist sich ähnlich: "Der Glanz des Himmels erlöscht und ein finsterer Schatten legt sich auf die Erde", schreibt der steirische Dichter Peter Rossegger im Jahre 1887. Die Temperatur kühle schlagartig ab, es ziehe Wind auf, und die Tiere verstummten. Rings um den Mondrand tauche kurz die feurige Sonnenkorona auf, bevor es vollkommen dunkel werde.

Elisabeth Vreede, die erste Leiterin der mathematisch-astronomischen Sektion am Goetheanum, beschreibt das Ende der Finsternis im Jahr 1936: "Blitzartig waren Korona, Venus und die Dunkelheit verschwunden und auf den Hängen sahen wir ein Spiel von wellenartigen Schatten." Stifter über die Eindrücke danach: "Nach dem Verstummen des Schrecks geschahen unartikulierte Laute der Bewunderung und des Staunens."

Biblisches Zeichen
Schon beim Tode Christi soll sich die Sonne verdunkelt haben, heißt es im Lukasevangelium. Livius berichtet dasselbe vom Tod Cäsars. Von vielen Herrschern wurde die Verdunkelung als schlechtes Zeichen gewertet - sie mussten es schließlich wissen, da sie ja den Himmelsgöttern angeblich am nächsten standen. Der abergläubische Ludwig I., Sohn von Karl dem Großen, starb im Jahr 840 nach Beobachtung einer Sonnenfinsternis.

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