Vom Schulball in den Tod

Lastet Fluch auf Haus?

Vom Schulball in den Tod

Ein Trümmerfeld direkt an der Weilhart Landesstraße wurde gestern zum Pilgerort: Fassungslose Angehörige und bestürzte Freunde kamen zum Haus Weng 9 in Überackern (OÖ), zündeten Kerzen für die Opfer an und begutachteten das riesige Loch im Haus der Familie Anglberger. Es ist das Zeugnis von jugendlichem Übermut, der tragisch enden sollte. Ein Auto war hier in den frühen Morgenstunden in das Haus geschleudert. Drei junge Menschen waren auf der Stelle tot.

Robert S. wollte Freund nach Ball heimfahren

Robert S. (20), Sarah E. (16) und Alexander K. (15) hatten den Ball der HLW Braunau im Simbacher Lokschuppen im benachbarten Niederbayern besucht, danach feierten sie noch die ganze Nacht. In den frühen Morgenstunden bot sich Robert S. an, seinen jüngeren Freund und die Schülerin heimzufahren – mit dem BMW seiner Mutter, den er sich von ihr unerlaubter Weise geborgt hatte. Außerdem besaß der Hilfsarbeiter keinen Führerschein. Ob auch Alkohol im Spiel war, ist unklar. Gegen 6.45 Uhr verlor Robert S. kurz vor dem Mehrparteienhaus in Überackern im Bezirk Braunau, in das Alexander K. erst vor rund zwei Wochen mit seinen Eltern und seinem Bruder gezogen war, die Kontrolle über den weißen BMW.

Unfalllenker war viel zu schnell unterwegs
Auf der Landesstraße ist das Tempo auf 80 kmh beschränkt. Doch die Polizei geht davon aus, dass der Unfalllenker schneller unterwegs war. Das Auto schleudert, kommt rechts von der Fahrbahn ab, schlittert über eine Gartenmauer und kracht mit voller Wucht gegen das Haus der Familie Anglberger.
Der Aufprall wirkt wie ein Bombeneinschlag: Das Auto durchbricht die Hausmauer, sogar die gegenüberliegende Wand stürzt ein. Hausbewohnerin Claudia Anglberger und ihr Sohn Fabian (3) haben Glück im Unglück: Sie waren noch Sekunden vor dem Crash in der Küche. „Wir hatten 1.000 Schutzengel.“ (siehe Interview).

Die Feuerwehr kann die drei nur noch tot aus dem Wrack schneiden. Die Einsatzkräfte und die Familien der Opfer wurden vom Kriseninterventionsteam betreut. „Ein so schlimmer Unfall ist hier noch nie passiert“, so Überackerns Bürgermeister Horst Patsch bestürzt. Er will zusammen mit dem Bürgermeister der Nachbargemeinde Hochburg-Ach, aus der Robert S. und Sarah E. stammen, eine Gedenkfeier organisieren.

„Uns bleibt einfach nichts erspart“
Claudia Anglberger und ihre Familie mussten schon öfter mit schweren Krisensituationen fertig werden. Das Schicksal spielte den Innviertlern schon mehrmals übel mit. Der Horror-Crash, der wie ein Bombeneinschlag einen Teil des Hauses unbewohnbar gemacht hat, ist nicht das erste Mal, dass das Heim schwer in Mitleidenschaft gezogen wurde.

Brand
„Vor zwölf Jahren sind wir abgebrannt“, erzählt die mehrfache Mutter. Mühsam bauten sie und ihr Mann Fritz das Haus direkt an der Weilhart Landesstraße in Überackern wieder auf. Jetzt krachte der Unfalllenker Robert Schmidt direkt in den Neubau. Nach Begutachtung eines Sachverständigen mussten die Küche und das darüberliegende Elternschlafzimmer wegen Einsturzgefahr gesperrt werden. Jetzt beginnen die Renovierungsarbeiten wieder von vorne.

Sohn verunglückt
2005 jedoch traf der bisher schlimmste Schicksalsschlag die Familie. Sohn Roman verunglückte in der Nähe seines Zuhauses mit seinem Moped tödlich. Er war in einer Rechtskurve von der Fahrbahn abgekommen und gegen einen Baum geprallt. Der Tischlerlehrling war an einem Juni-Samstag mit seinem Zweirad unterwegs. Weil der 16-Jährige nicht zur vereinbarten Zeit nach Hause kam, machten sich die Eltern Sorgen und suchten ihn. Mutter Claudia machte die schreckliche Entdeckung: Sie fand ihren toten Sohn im Wald. Seitdem ist die Sorge um Tochter Kerstin (18) und Sohn Fabian (3) besonders groß.
 

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