Wabl:

Fall Kampusch

© APA: ROBERT JAEGER

Wabl: "Sirny ordnete die Entführung an"

Martin Wabl will kein hartnäckiger Verleumder sein. Und er will sich nicht in eine Theorie verbissen haben, die so nicht bewiesen werden kann. „Die ganze Wahrheit schonungslos ans Licht bringen“, so rechtfertigt der pensionierte Richter und ehemalige Präsidentschaftskandidat seinen beharrlichen Kreuzzug gegen Brigitta Sirny, die Mutter von Natascha Kampusch.

Mutter als Auftraggeberin
Ein Kampf, der nun in die nächste Runde geht: Am Mittwoch entschied das Bezirksgericht Gleisdorf, dass der 62-Jährige seine Vorwürfe gegen Sirny beweisen darf. Denn der Steirer behauptet: Ja, Natascha Kampusch wurde 1998 von Wolfgang Priklopil entführt und acht Jahre lang gefangen gehalten. Aber: Nein, Priklopil war kein Einzeltäter. Vielmehr handelte der Kindesentführer im Auftrag einer Bekannten – Brigitta Sirny. „Sie wollte dadurch verhindern, dass Natascha den sexuellen Missbrauch aufdeckt“, ist Wabl im ÖSTERREICH-Gespräch überzeugt. Und das behauptet er auch auf seiner – nur für den Rechtsstreit gegen Sirny eingerichteten – Homepage. Im Dezember will er sogar im Eigenverlag ein Buch zur brisanten Causa veröffentlichen.

Ermittlungsfehler
"Es gab nach der Entführung mehrere Hinweise, dass die Mutter involviert war“, erklärt der Steirer. Auch die Missbrauch-Vermutung sei eine „heiße Spur“ gewesen – ohne diesbezüglich einen konkreten Verdacht auszusprechen. „Die Ermittler hätten der Spur nachgehen sollen. Eine Telefon-Überwachung von Sirny und Co. hätte sie innerhalb weniger Wochen zu Priklopils Haus geführt“, wirft Wabl der Polizei vor.

Prozess
Schon im Jahr 2000 konfrontierte Wabl Nataschas Mutter mit den Vorwürfen – und wurde nach einer Klage Sirnys rechtskräftig dazu verdonnert, die Vorwürfe gegen die Frau zu unterlassen. Damit bahnte aber ausgerechnet Nataschas Mutter selbst den Weg für den jetzigen Wahrheitsbeweis, den Wabl erbringen will.

Denn genau um den damaligen Schlagabtausch vor Gericht geht es nun. Der Ex-Richter möchte nämlich die wieder aufgetauchte Kronzeugin in den Zeugenstand rufen: Natascha Kampusch soll persönlich zu Wabls Theorie Stellung nehmen. Auch ihr Vater Ludwig Koch, Nachbarn und Sirnys Freund Ronald H. („Der wusste über alles Bescheid“) werden vorgeladen. Wabl, der davon ausgeht, dass die Verhandlung im Jänner stattfindet: „Endlich kann die Wahrheit aufgedeckt werden: die Mittäterschaft Sirnys.“

Leichengrabung
Allerdings scheint diese Wahrheit alles andere als glasklar zu sein: In all den Jahren konnte Wabl keine handfesten Beweise vorlegen. Ein Sprecher der Wiener Staatsanwaltschaft ließ sich sogar dazu hinreißen, Wabls Vorwürfe als „Käse“ zu bezeichnen. Für die Glaubwürdigkeit des „Aufdeckers“ nicht gerade förderlich: 2005 wollte er nach Nataschas Leiche graben lassen; damals war er von ihrem Tod überzeugt.

Keine Reue
Gelassen sieht Brigitta Sirny dem neuen Wabl-Vorstoß entgegen. Sie bereut übrigens nicht, ihren verbittertsten Gegner vor sieben Jahren verklagt – und ihm dadurch zum jetzigen Prozess verholfen zu haben. Sirny zu ÖSTERREICH: „Mir tut eher leid, überhaupt je mit diesem Mann in Berührung gekommen zu sein.“

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