25. Dezember 2008 09:40
© Lisi Niesner/TZ ÖSTERREICH
Gibt es noch Hoffnung für die Geschwister Zogaj, dass sie zu ihrer Mutter
nach Oberösterreich kommen? Wie berichtet, flüchteten die vier Kinder zu Fuß
vom Kosovo nach Serbien über die Grenze in die EU und stecken zurzeit in
einem Lager an der ungarisch-rumänischen Grenze. ÖSTERREICH gelang es, sie
zu besuchen.
Wie im Gefängnis
Das Tabor (ungarisch für Lager) in der
65.000 Einwohner-Stadt Bekescsaba erinnert an ein Gefängnis: Drei
Stacheldrahtzäune hintereinander und Wachmänner mit Schlagstöcken
verhindern, dass die Flüchtlinge raus können. Alleinstehende Männer und
Familien sind getrennt untergebracht. Es gibt einen kleinen, schmutzigen
Aufenthaltsraum mit Fernseher und kaputten Sesseln.
Verlegung nach Debrecen
Neben der Eingangstür steht eine
Schaukel. Darauf tollen die zwei jüngsten Zogajs, Albin (9) und Albona (7),
herum, während ihre großen Brüder Alban (18) und Alfred (17) mit einigen der
anderen 250 Flüchtlinge des Lagers fernsehen. In zwei Wochen sollen die vier
Zogajs in ein Lager nach Debrecen verlegt werden.
Kein Aufenthaltstitel
Zumindest die zwei Kleinen sollten schnell
wieder zu ihrer Mutter. Das Problem dabei: Nurie Zogaj hat keinen
„Aufenthaltstitel“ in Österreich, ist also offiziell gar nicht im Land. Das
wäre aber Bedingung, um die Familie wieder zusammenzuführen. Sobald der
Formalakt erledigt ist, würden die ungarischen Behörden die Kinder zu ihrer
Mutter lassen. Das sind die Möglichkeiten:
- ÖVP-Innenministerin Maria Fekter müsste ein humanitäres
Bleiberecht für die Mutter aussprechen. In ihrem Büro aber heißt
es dazu nur: „Kein Kommentar.“ SPÖ-Nationalratspräsidentin
Barbara Prammer ersuchte Fekter, rasch zu helfen. Auch der
Menschenrechtssprecher der Grünen, Gunther Trübswasser, bat
die Innenministerin und den Bundespräsidenten um Hilfe.
- Der Anwalt der Zogajs, Helmut Blum, will einen weiteren Asylantrag für
die Mutter stellen. Der Antrag würde als „Aufenthaltstitel“
gewertet – und könnte sogar durchgehen, weil sich der
Gesundheitszustand von Nurie Zogaj in den letzten Monaten drastisch
verschlechtert hat.
- Möglich ist auch, dass die Kinder ihren Asylantrag, den sie in
Ungarn gestellt haben, wieder zurückziehen, in den Kosovo ausreisen
und dort auf ihr Schülervisum warten. Formalitäten verzögern
dieses Visum jetzt allerdings schon fast ein Jahr.