18. Juni 2010 10:31
Der in Braz (Bezirk Bludenz) entgleiste Pkw-Transportzug war auf einem
Abschnitt von sechs Kilometern außer Kontrolle, ehe er aus den Schienen
sprang. Das haben laut ORF Radio Vorarlberg die Auswertung der Blackbox und
erste Aussagen des Lokführers ergeben. In dieser Zeit beschleunigte die
Zuggarnitur von 60 auf 125 km/h. Die Arbeiten an der Unfallstelle verlaufen
laut ÖBB-Sprecher Rene Zumtobel bisher plangemäß.
Bremsleitung gerissen
Der Rundfunk bezog sich in seinem Bericht
auf Peter Urbanek von der Bundesanstalt für Verkehr in Wien. Seinen Angaben
zufolge war der Zug ab Bahnkilometer 122,3 völlig außer Kontrolle. Wie
bereits am Donnerstag bekanntwurde, war eine Bremsleitung abgerissen. Etwa
sechs Kilometer weiter - nämlich bei Bahnkilometer 128,2 - wurde der 548
Meter lange und 777 Tonnen schwere Pkw-Transportzug schließlich aus dem
Gleis katapultiert. Den Aufzeichnungen der Blackbox gemäß durchfuhr der Zug
den entsprechenden Abschnitt in vier Minuten und beschleunigte dabei von
ursprünglich 60 auf 125 Stundenkilometer.
Der Lokführer habe alles Mögliche unternommen, um das Tempo der Zuggarnitur
zumindest zu drosseln, wurde Urbanek zitiert. Als sich jedoch alle seine
Unterfangen als aussichtslos erwiesen hätten, habe sich der Lokführer im
Maschinenraum in Sicherheit gebracht. Der Mann habe nur mit unglaublichem
Glück überlebt - er kam mit Prellungen und einem schweren Schock davon.
Bergung der Lok
Indessen wurden an der Unglücksstelle in Braz die
Aufräum- und Reparaturarbeiten mit Nachdruck vorangetrieben. Wie Zumtobel
erklärte, stand am Freitag die schwierige Bergung der 84 Tonnen schweren Lok
an. Am Abend treffe der schwere Schienenkran ein, mit dem ab Samstag auf
rund 800 Meter Länge neue Schienen verlegt werden müssen. Außerdem gilt es
eine Weiche zu reparieren sowie neun Fahrleitungsmasten neu zu setzen.
"Wir sind bis jetzt wie geplant vorangekommen", sagte Zumtobel. Nach
aktuellem Stand der Dinge bleibe es bei Dienstagabend als Freigabetermin für
die Arlbergbahnstrecke, auch wenn starker Regen die Bemühungen der 50
Einsatzkräfte am Freitag behinderte. "Wenn ab Samstag die großen Arbeiten
anlaufen, werden wir mehr wissen", so der Pressesprecher. Der
Schienenersatzverkehr zwischen Bludenz und Landeck funktioniere problemlos.
Auf der Arlbergstrecke bei Braz war in der Nacht auf Mittwoch im sogenannten
"Brazer Bogen" ein Autozug entgleist. Zehn der 16 Waggons des
Pkw-Transportzugs wurden aus den Schienen gehoben und wie viele der
geladenen Autos auf und neben den Bahndamm geschleudert.