Serie Teil 11

© APA/KH WANGER-JAUREGG

"Zum Vergewaltiger geboren"

Kaum jemand kennt Josef Fritzl so gut wie sie. Adelheid Kastner hat dem mutmaßlichen Inzest-Vater in die Seele geblickt. Sechs Mal war sie bei ihm im Gefängnis. Was die Gutachterin dabei zu Tage förderte, ist nichts für schwache Nerven.

Kastner wollte fürs Gericht herausfinden, wie ein Mensch dazu fähig ist, eine Frau und ihre Kinder 24 Jahre lang im Keller einzusperren. Nun gibt es viele Antworten – eine endgültige geben sie aber wohl nicht.

Horror-Kindheit
Der Ursprung für Fritzls sadistische Ader ist in seiner Kindheit zu suchen. Er war ein unerwünschtes Kind, die dominante Mutter drillte ihn und erzog ihn ohne Liebe. In dieser Zeit wurde sein Dominanzverlangen gegenüber Frauen geformt. Aus dem Burschen mit dem frühen Sexualsyndrom wurde ein Erwachsener mit schweren Persönlichkeits-Störungen. Und diese sind ihm bewusst. „Ich bin zur Vergewaltigung geboren“, sagte er zur Gutachterin.

Lebenslang
Die 130 Seiten dicke Expertise der Linzer Psychiaterin ist einer der wichtigsten Grundlagen im Fritzl-Prozess. Und sie beantwortet auch die Frage, ob er jemals wieder auf freien Fuß kommen soll. Geht es nach dem Gutachten, dann ist Fritzl brandgefährlich. Ihr Fazit ist klar: Ohne Unterbringung in einer Anstalt für zurechnungsfähige abnorme Rechtsbrecher muss damit gerechnet werden, dass Herr Fritzl unter dem Einfluss seiner hochgradigen psychischen Gestörtheit wieder Taten mit schweren Folgen verüben wird. Der Relevanzbereich der Gefährlichkeit betrifft hauptsächlich Familienmitglieder – und dies vor allem dann, wenn sie sich in von Herrn Fritzl nicht akzeptierter Weise von ihm abwenden würden. Josef Fritzl ist trotz einer „schweren kombinierten Persönlichkeitsstörung“ für den gesamten Tatzeitraum zurechnungsfähig und damit schuldfähig.

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