07. Februar 2010 11:05
Ein Wochenende der Lawinen, der Suche nach Verschütteten und Vermissten in
weiten Teilen der österreichischen Alpenregion: Trotz heftigster Warnungen
der Experten waren auch Samstag und Sonntag wieder zahlreiche Wintersportler
abseits der Pisten unterwegs und lösten dabei mehrere Lawinen aus. Seit
Donnerstag starben in Österreich zumindest acht Personen unter den
Schneemassen.
Auch
im restlichen Alpenraum gibt es zahlreiche Tote zu beklagen.
Tourengeher gestorben
Die verschärfte Situation hatte bereits am
Freitag einen 39 Jahre alten obersteirischen Tourengeher das Leben gekostet.
Der Mann war seit Freitagnachmittag nach einer Skitour auf das Große Bärneck
(2.071 Meter Seehöhe) bei Donnersbachwald im Bezirk Liezen vermisst gewesen.
Er konnte am Sonntag von den Suchkräften nur noch tot geborgen werden, so
der Einsatzleiter der Alpinpolizei zur der APA. Der Steirer - ein erfahrener
Tourengeher - dürfte bei der Abfahrt von einer Lawine erfasst und
verschüttet worden sein. Die Leiche des Mannes wurde von einem Hubschrauber
des Innenministeriums ins Tal geflogen.
Zahlreiche Abgänge in Tirol
In Tirol hat es bei heftigen
Warnungen der Lawinenexperten des Landes am Wochenende zahlreiche
Lawinenabgänge gegeben. Der folgenreichste Zwischenfall ereignete sich am
Arlberg, wo eine Norwegerin verschüttet wurde, aber geborgen und reanimiert
werden konnte. Sie wurde am Samstagabend in die Innsbrucker
Universitätsklinik verlegt und befand sich dort am Sonntag nach Angaben der
Mediziner in "sehr, sehr kritischem Zustand". Die vierköpfige Gruppe von
Tourengehern aus Norwegen war im freien Skiraum beim Rendl oberhalb von St.
Anton am Arlberg in Richtung Moostall von der Lawine erfasst worden. Die
Touristen waren trotz Schlechtwetters unterwegs gewesen. In der Region
herrschte erhebliche Lawinengefahr (Stufe 3 auf der fünfteiligen Skala).
In den Tuxer Voralpen am Wattenberg wurden deutsche Skitourengeher
verschüttet. Eine Urlauber wurde dabei verletzt, hieß es auf der nahe
gelegenen Lizumer Hütte. Im Gebiet des Venet-Skigebietes bei Zams im
Bezirk Landeck wurden am Samstagnachmittag ebenfalls zwei Personen - nach
ersten Informationen Einheimische - verschüttet. Beide Skitourengeher -
Vater und Sohn - wurden leicht verletzt. Auch dieses Unglück ereignete sich
im freien Skiraum. Weitere Lawinenunglücke ereigneten sich am Sonntag in den
Kitzbühler Alpen, in Reith bei Seefeld und im Pitztal. Dort wurde ein
deutscher Variantenfahrer verschüttet und in kritischem Zustand in die
Klinik nach Innsbruck geflogen.
Todesopfer in Kärnten
Sonntagnachmittag gab es dann auch
Alarm in Kärnten. Bei einem Lawinenabgang auf dem Nassfeld (Bezirk Hermagor)
in Kärnten wurde ein 28 Jahre alter Mann verschüttet und getötet. Der
Student aus Hermagor war zusammen mit Freunden abseits der Pisten im Gelände
unterwegs gewesen, er dürfte das Schneebrett selbst ausgelöst haben und
wurde gegen einen Baum geschleudert. Trotz des raschen Eintreffens der
Einsatzkräfte am Unfallort blieben Reanimationsversuche erfolglos, der Mann
starb noch an der Unfallstelle.
Glück im Unglück hatte ein einheimischer Skilehrer am Sonntagnachmittag in
Lech am Arlberg, als er im freien Skigelände mit seinem Snowboard von einer
Lawine rund 300 Meter mitgerissen wurde. Er konnte sich an der Oberfläche
der Schneemassen halten und blieb außer Abschürfungen und Prellungen nahezu
unverletzt.
Verschüttete
Bei Lawinenabgängen in Obertauern und
Mittersill in Salzburg wurden am Samstag insgesamt drei Menschen
mitgerissen, dank guter Ausrüstung überlebten aber alle die Unfälle. In
Obertauern trat ein Skilehrer aus dem Bezirk Waidhofen an der Ybbs ein
Schneebrett los. Der 25-Jährige stürzte mit den Schneemassen über eine 30
Meter hohe Felswand und rutschte dann noch etwa 200 Meter über den Hang.
Dank eines Airbags wurde er nicht verschüttet, er erlitt aber schwere
Verletzungen.
In Mittersill (Pinzgau) traten ein 34-jähriger Deutscher und eine 29-jährige
Schwedin, die sich verirrt hatten, ein Schneebrett los und wurden rund 250
Meter mitgerissen. Der Mann blieb dank eines Airbags an der Oberfläche und
konnte seine Begleiterin ausgraben, die rund eineinhalb Meter tief
verschüttet worden war. Die beiden Wintersportler, die mit
Lawinenverschütteten-Suchgeräten, Sonden und Schaufeln ausgerüstet waren,
blieben unverletzt.