12. Juli 2011 12:37
Er steht überlebensgroß wie ein Wilder Mann vor der Wiener Kapuzinerkirche -just dort, wo Otto von Habsburg kommende Woche begraben wird: Marco d 'Aviano, der Mönch mit dem Kreuz, der Europa wieder katholisch machte ...
Erst vor wenigen Jahren ist dieser kampfeslustige Mönch vom Papst selig gesprochen worden -es war ein spätes "Dankeschön" der Kirche an die Familie Habsburg. Obwohl der Jahrhundertkampf gegen die Protestanten in Deutschland, Böhmen und den Niederlanden voll von düsteren Kapiteln ist; nicht weniger als die unendlichen Kriege gegen die moslemischen Türken quer über den Balkan -und schließlich auch noch gegen die Juden in Österreich selbst. Man sollte das nicht verschweigen.
30 Jahre Kampf
So ist uns auch von Kaiser Ferdinand II. das Zitat übermittelt, es sei besser, eine Wüste zu regieren als ein Land voller Ketzer. Was ihm auch fast gelang: 30 Jahre lang tobte ein fürchterlicher Kampf um die "wahre Lehre".
Des Kaisers Enkel Leopold I. erfand sich einen zusätzlichen Feind: Er vertrieb die Juden 1668 aus dem Ghetto in Wien und machte aus dem "Unteren Werd" die christliche "Leopoldstadt". Die jüdischen Flüchtlinge gingen allerdings nur ins heutige Burgenland und kamen zum Großteil wieder auf die "Mazzesinsel" zurück. Denn Kaiser Leopold I. brauchte ihr Geld für Armeen im Kampf gegen die Türken, die 1683 vor Wien standen.
Requiem selbst komponiert
Nun war Kaiser Leopold selbst ein seltsamer Frömmler -wie feinsinniger Komponist: Von ihm stammen Oratorien, Messen, Arien -sowie die Musik für sein eigenes Requiem ...
Es war rund ein Jahrhundert später, dass der große Reformer Josef II. den Juden eine Reihe von Rechten einräumte, ja sie zu Vollbürgern machte. Und wieder ein Jahrhundert verstrich, dass ihnen Kaiser Franz Josef die Wirtschaft der Donaumonarchie öffnete -sie bauten Eisenbahnlinien und Fabriken im ganzen Reich -sowie die großartige Wiener Ringstrasse. Die Habsburger selbst blieben strenggläubige Katholiken, die auch nicht davor zurückschreckten, Papstkandidaten abzulehnen und Bischofsernennungen zu hintertreiben.
Grab auf Madeira
Einer aus der Allerchristlichsten Familie selbst ist mittlerweile wie d 'Aviano zum Seligen erklärt worden: Karl I. - der Vater Ottos. Er liegt noch immer in Funchal auf Madeira, einer Insel im Atlantik ...