10. Dezember 2008 19:42
Zwei Monate auf den Tag genau ist das Ereignis her, das Österreichs
Innenpolitik veränderte - und das Leben von Claudia Haider (52) von Grund
auf erschütterte. Den Tod ihres Mannes an jenem 11. Oktober versucht sie
seit diesem Tag aufzuarbeiten - aber "der Schmerz wird immer größer“,
wie sie im ÖSTERREICH-Interview
sagt.
In dem Interview räumt die Witwe nicht nur mit Gerüchten über die
Homosexualität ihres Mannes auf, sie bezweifelt auch erstmals öffentlich die
offzielle Unfallversion - eine willkommene Nahrung für die zahlreichen
Verschwörungstheorien, die in Internetforen tausende Anhänger gefunden
haben.
Nach ein paar Tagen der Erholung fühlt sie sich nun stark genug für einen
Kampf, der sie in den vergangenen Wochen immer stärker belastet hat.
Gegenoffensive
Heute erscheint in der deutschen Illustrierten
Die Bunte ein Interview, mit dem Claudia Haider in eine Gegenoffensive geht.
In eine Offensive gegen Gerüchte rund um den Tod ihres Mannes, die vor allem
in deutschen Medien breitgetreten worden waren. Gerüchte über die angebliche
Homo- oder Bisexualität ihres Mannes, genährt durch die Bekenntnisse seines
trauernden „Lebensmenschen“ Stefan Petzner nach seinem Tod und die
Enthüllungen über die letzten Stunden Jörg Haiders in einer angeblichen
Klagenfurter Szene-Bar.
Mutiger Schritt
Mit "Mein Mann war nicht homosexuell“
wendet sie sich jetzt mit ihrem Interview in der Bunten mutig an die
Öffentlichkeit - gegenüber ÖSTERREICH erklärt sie, warum sie diesen Schritt
jetzt setzen musste.
Sogar die als besonders seriös geltende Süddeutsche Zeitung hatte ja unter
dem Titel "Haiders verschwiegenes Doppelleben“ spekuliert: "Haider
galt schon lange als bisexuell, ohne dass er je sich selbst geoutet hätte.
Die scheinbare Idylle mit Ehefrau Claudia und den beiden heute erwachsenen
Töchtern im Kärntner Bärental wurde offiziell aufrechterhalten.“
Über Gerüchte gelacht
Jetzt sagt Claudia Haider: "Diese
Gerüchte sind nicht haltbar. Früher haben Jörg und ich immer über die
Gerüchte gelacht. Er hat sich immer gut dagegen gewehrt.“ Besonders kränkt
sie der Umstand, dass das Leben ihres Mannes jetzt nach seinem Tod "abenteuerlich
interpretiert“ werde, "wogegen er sich nicht mehr wehren kann“.
Zweifel an Crash-Version
Ein weiteres Anliegen verfolgt Claudia
Haider mit ihrer publizistischen Offensive: Sie deponiert ihre Zweifel an
der offiziellen Unfallversion. Im ÖSTERREICH-Gespräch zeigt sich Haider
darüber verärgert. Es sei "nicht endgültig bewiesen“, dass
ihr Mann in der Unfallnacht stark alkoholisiert war und viel zu schnell
gefahren war. Claudia Haider hegt an zwei Punkten Zweifel an den bisherigen
Darstellungen des Crashs:
- Zum einen sei die Unfallstrecke zu kurz, um auf über 140 Kilometer pro
Stunde beschleunigen zu können.
- Zudem sei von medizinischer Seite bestätigt worden, dass Jörg Haider
bis 24 Uhr nüchtern gewesen sei.
"Schaue mir das an.“
Für Claudia Haider steht
jedenfalls fest: "Es gibt noch viele Ungereimtheiten und Fragezeichen.“
Und sie kündigt an, dass sie versuchen wird, das "Puzzle“ um den
Tod ihres Mannes zusammenzusetzen und die vielen Fragezeichen zu reduzieren.
Einige Steine hätte sie schon.
Klar ist: Jörg Haiders beliebte Witwe trifft mit ihrer Skepsis genau die
Stimmung im Volk. An der Unfallstelle in Lambichl südlich von Klagenfurt
wird das Lichtermeer auch zwei Monate nach dem Unfall täglich größer. Ein
Plakat an der Unfallstelle bringt die Gedanken vieler auf den Punkt: "Kärnten
will die Wahrheit. Lauter offene Fragen.“
Hier
geht's zum Interview mit Claudia Haider
Foto: (c) APA