Auf den Kärntner Eventmanagers Ingo Krassnitzer haben unbekannte Täter in
der vergangenen Woche offenbar einen Anschlag verübt. Laut Dienstagsausgabe
der "Kleinen Zeitung" wurden Radmuttern am Fahrzeug Krassnitzers
gelockert.
Er organisiert einen im Dezember geplanten Auftritt von Dirk Stermann und
Christoph Grissemann an der Klagenfurter Universität. Die Satiriker hatten
in der ORF-Sendung "Willkommen Österreich" vom 23. Oktober
dem Tod Jörg Haiders und den darauffolgenden Reaktion einiger Kärntner
Politiker viel Raum gewidmet (oe24.at hat berichtet).
Auto begann plötzlich zu schlittern Der Eventmanager
bemerkte den Sabotageakt am 29. Oktober auf dem Weg von Klagenfurt nach
Wolfsberg. Sein Auto begann plötzlich zu schlittern. Bei der Kontrolle der
Räder bemerkte Krassnitzer, dass offenbar jemand vier von fünf Radmuttern
eines Reifens gelockert hatte. "Es gibt keinen endgültigen Beweis
dafür, dass die Aktion mit den Radmuttern in Zusammenhang mit dem Auftritt
steht", sagte Krassnitzer. Doch eine andere Erklärung findet er nicht. "Ich
habe keine persönlichen Feinde."
Auftritt in Kärnten abgesagt Der Kabarett-Auftritt von Dirk
Stermann und Christoph Grissemann im Dezember an der Klagenfurter
Universität ist am Dienstag letztendlich abgesagt worden. Angesichts der
aktuellen Umstände halte man eine Durchführung für nicht verantwortungsvoll,
hieß es in einer Stellungnahme des Managements am Dienstag. Bis Montag war
von einer Absage keine Rede gewesen, Udo Leitner von der Agentur Hoanzl
erklärte noch, die Fans hätten ein Recht darauf, "Die
deutsche Kochschau", eine Nazi-Parodie der beiden, zu sehen. Stermann
meinte dazu im "Falter", wenn man im Internet Postings von Leuten
lese, "die busweise dort hinfahren möchten, damit wir in Särgen zurück
geschickt werden, dann ist das keine gute Voraussetzung für einen lustigen
Abend".
Sehen Sie hier das YouTube-Video der ORF-Sendung "Donnerstag Nacht"
- Trauer um Jörg Haider!
Heftige Kritik aus Kärnten an Stermann und Grissemann Grissemanns
und Stermanns Betrachtungen des Umgangs einiger Kärntner Politiker mit dem
Ableben Jörg Haiders hatte in Kärnten zu teils heftigen Protesten geführt.
Dass BZÖ meinte sogar, dass sich vom "Anti-Kärnten-Programm"
des ORF der Großteil der Kärntner Bevölkerung beleidigt fühle. Eine
Popularbeschwerde wurde angekündigt. Dem Rektor der Universität Klagenfurt,
Heinrich C. Mayr, wurde nahegelegt den für den 12. Dezember angesetzten
Auftritt des Kabarettistenduos an der Universität zu untersagen.
In den vergangenen Wochen hatte es zahlreiche Drohungen gegen Stermann und
Grissemann gegeben, was auch ihr Betreuer von der Agentur Hoanzl, Udo
Leitner, bestätigte. Die beiden würden Kärnten in einem Holzsarg verlassen,
hieß es beispielsweise.
"Deutsche Kochschau" An eine Absage ihrer Nazi-Parodie
sei ungeachtet hartnäckiger Interventionen nicht gedacht. "Die
Fans haben ein Recht darauf", sagt Leitner. Die umstrittenen Passagen
sind übrigens kein Teil des Programms. "Die deutsche Kochschau"
(eine Nazi-Parodie) läuft seit Jahren in ganz Österreich. "Wenn
sich die Situation nicht beruhigt, wird es für Stermann und Grissemann
Personenschutz geben", kündigte Leitner an.
"Das war keine bösartige Berichterstattung", meint Stermann. "Wir
haben uns angesehen, wie diese Trauer - und zwar eine verordnete Trauer -
zelebriert wurde. Die Kärntner müssen es aushalten, wenn ein Deutscher ihre
Tracht trägt. Deswegen ist nicht das ganze Land entweiht." Man
habe aus Pietätsgründen auch einige Passagen aus dem Programm genommen, etwa
Filmaufnahmen von der Familie Haider.
Claudia Haider "cool" Stermann findet, "es
sollten sich alle an Claudia Haider ein Beispiel nehmen. Die ist
wahrscheinlich traurig, dass ihr Mann gestorben ist, geht aber cool mit
diesem Hype um. Dabei ist sie von Haiders Tod wesentlich mehr betroffen als
der Herr Dörfler."
Dörfler: Nein zu Auftritt Dieser, also der Kärntner
Landeshauptmann Gerhard Dörfler (B), beharrt weiterhin auf seinem Nein zu
dem geplanten Auftritt im Dezember in Klagenfurt. "Ich sage Nein dazu,
dass sie Jörg Haider durch den Kakao ziehen", sagte er am Dienstag
in Klagenfurt. Der Landeshauptmann sprach sich jedoch auch gegen jede Form
der Eskalation aus. "Ich lehne jede Aktion jenseits des schriftlichen
Protestes ab", erklärte Dörfler.
Zu dem möglichen Anschlag auf den Eventmanagers Ingo Krassnitzer, der den
Auftritt der Kabarettisten organisiert und dem offenbar Radmuttern an seinem
Auto gelockert worden waren, bemerkte der BZÖ-Politiker: "Vielleicht
hat er gerade Winterreifen gewechselt."