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Gift: Zementwerk als Verursacher?

Kärnten

Gift: Zementwerk als Verursacher?

Milch und Viehfutter aus dem Kärntner Görtschitztal sind mit dem krebserregenden Umweltgift Hexachlorbenzol (HCB) belastet. Kärntens Agrarlandesrat Christian Benger (ÖVP) gab am Mittwoch bekannt, dass bis zu 35 Betriebe mit mehreren Hundert Kühen betroffen sind. In Umlauf gebracht wurde die kontaminierte Milch jedoch nicht, wie Benger betonte.

Zementwerk als Verursacher?
Wie das Gift in die Milch kam, ist noch unklar. Das HCB stamme "mit hoher Wahrscheinlichkeit" aus einem Zementwerk der Firma Wietersdorfer, wie die Unternehmensleitung in einer Aussendung bekanntgab. Seit Juli 2012 wird in dem Werk Blaukalk im Produktionsprozess verwertet.

Dass es möglicherweise ein Problem mit HCB gibt, wisse man demnach seit 10. Oktober. Als knapp einen Monat später Testergebnisse das Problem bestätigten, habe die Werksleitung reagiert. "(...) Seither wissen wir von HCB Emisionen und haben nach Rücksprache mit der Behörde am 7. November die Einbringung von Blaukalk in den Zementofen sofort eingestellt", so Werksleiter Berndt Schaflechner.

Untersuchungen, ob die Blaukalkverwertung tatsächlich die Ursache der Kontaminierung ist, laufen noch. Endgültige Ergebnisse sollen in zwei Wochen vorliegen.

Seit Juli 2012 wird im Zementwerk in einem genehmigten Entsorgungsprojekt Blaukalk verwertet. Dieser stammt aus der Deponie eines Werks der Donau Chemie in Brückl. 2011 wurde die Öffentlichkeit bei einer Pressekonferenz über die Verwertung informiert. "Dass HCB eine Belastung im Blaukalk ist, war weder uns noch den Behörden bekannt", so Schaflechner.

Problem seit April bekannt
Laut dem für Umwelt zuständigen Landesrat Rolf Holub (Grüne) ist das Problem mit dem HCB seit April bekannt. Damals stellte der Lebensmittelkonzern Rewe in Deutschland Überschreitungen beim Hexachlorbenzol-Grenzwert fest. Es wurden bei zwei Bauern kleine Überschreitungen festgestellt. "Es hat eine Zeit lang gedauert, bis die Landwirtschaft draufgekommen ist, dass es nicht ihre eigene Schuld ist." Die Belastung hätte nämlich auch aus Restbeständen eines bis 1992 verwendeten Beizmittels stammen können. Mitte September sei die Umweltabteilung informiert worden, dass nun plötzlich mehrere Betriebe betroffen seien. Damals seien aber keine Überschreitungen des Grenzwerts festgestellt worden, dennoch wurden die Lebensmittel nicht für den Verkauf freigegeben.

Kaiser lässt Verantwortung in Regierung suchen
Kärntens Landeshauptmann Peter Kaiser (SPÖ) hat am Donnerstag die Landesamtsdirektion mit "umfassenden Untersuchungen" zu den Vorgängen im Görtschitztal beauftragt. "Ich will wissen, wer die Verantwortung trägt", sagte Kaiser in einer Aussendung.

Geklärt werden soll auch, "warum es seit Bekanntwerden der Umweltbeeinträchtigung im Frühjahr so lange bis zur öffentlichen Information gedauert hat". Die entsprechenden Abteilungen müssen umgehend "unmissverständliche Berichte" vorlegen. Die Gesundheit der Menschen im Görtschitztal müsse Vorrang vor "wirtschaftlichen Aspekten" haben, meinte Kaiser. Ihm sei jedenfalls versichert worden, das keine Gefährdung bestehe.






 


 


 



 

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