Patientin bei OP erwacht - Schmerzensgeld

LKH Klagenfurt

© ©Wild & Team-Fotoagentur / Martin Schalk

Patientin bei OP erwacht - Schmerzensgeld

Das LKH Klagenfurt muss einer Patientin 7.500 Euro zahlen. Die Frau war während einer Operation erwacht, konnte sich aber nicht bemerkbar machen. Sie hatte 38.960 Euro gefordert. Das Gericht entschied: kein Kunstfehler.

Zivilverfahren seit August 2004
Im August 2004 hatte am Landesgericht Klagenfurt das Zivilverfahren begonnen, das eine Patientin des LKH Klagenfurt, die vor zwei Jahren eine Unterleibsoperation bei vollem Bewusstsein miterlebt hat, gegen das Spital eingeleitet hatte.

An der 39-Jährige aus Moosburg war am 23. Oktober 2002 eine Unterleibsoperation vorgenommen worden. Weil die Anästhesistin offensichtlich vergessen hatte, einen Schlauch anzuschließen, war die Patientin aus der Narkose erwacht und hatte den Eingriff zur Gänze mitbekommen. Dies löste bei ihr auch ein psychologisches Trauma aus.

38.960 gefordert
Das LKH Klagenfurt hatte von sich aus zunächst eine Entschädigung von 5.000 Euro angeboten und diese dann auf 20.000 Euro erhöht. Doch der vierfachen Mutter, die vom Klagenfurter Anwalt Farhad Paya vertreten wurde, war das zu wenig. Sie forderte 38.960 Euro Schadensersatz und Schmerzensgeld.

Das Spital beantragte in der Folge durch seinen Anwalt Ernst Maiditsch eine Abweisung der Klage. Jetzt hat das Gericht entschieden, dass es kein Kunstfehler gewesen wäre. Die Patientin sei lediglich mangelhaft aufgeklärt worden.

Das Risiko einer sogenannten "interoperativen Wachheit" sei bei einer Vollnarkose in einem ganz geringen Maß gegeben, so die Gutachter. Die Frau erhält jetzt 7.500 Euro Entschädigung.

In einem ähnlich gelagerten Fall musste das LKH vor rund drei Jahren einer Patientin 15.000 Euro Schmerzensgeld zahlen.

Das Interview nach dem Urteil

ÖSTERREICH: Warum wurden Sie überhaupt operiert?
SANDRA OFER: Nach dem vierten Kind war unsere Familienplanung abgeschlossen und ich wollte mich sterilisieren lassen.
Gab es vor dem Eingriff Komplikationen?
Nein. Mir wurden im OP-Saal die Arme und Beine festgebunden, dann wurde eine Kanüle gesetzt, und ich bekam die Narkose. Aber irgendwann bin ich aufgewacht und habe gespürt, wie ein Rohr durch meine Bauchdecke gestoßen wurde. Und ich hörte den Chirurgen mit der Anästhesistin sprechen.
Sie schrien?
Das ging nicht, weil ich an einem Beatmungsgerät hing. Ich litt Höllenqualen und hatte Todesangst. Ich fühlte mich wie aufgespießt und dachte: Du musst die Finger oder Zehen bewegen, damit die merken, dass sie mich quälen. Dann bin ich wieder weggesackt.
Wie das?
Die Anästhesistin hat mir später gesagt, sie hätte eine Bewegung bemerkt – und deshalb die Dosis erhöht. Aber sonst haben die Ärzte getan, als sei nichts gewesen. Deshalb habe ich geklagt.
Sie wollten ursprünglich 38.000 Euro?
Das ist eine Falschmeldung. Wahr ist: Das Spital hat mir 1.200 Euro geboten. Und ich höre, die legen auch jetzt Berufung ein.

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