18. 03. 2009, 12:37

Nicht abgesprochen

Anwalt selbst von Geständnis überrascht

© APA

Dass Fritzl auch Mord und Sklaverei zugeben würde, wusste Mayer nicht.

Völlig überraschend, auch für seinen Verteidiger, hat sich Josef Fritzl am dritten Verhandlungstag in allen Anklagepunkten für schuldig befunden. Das Geständnis umfasst also auch den inkriminierten Mord durch Unterlassung und den Sklavenhandel. Bisher hatte sich der 73-Jährige vor dem Schwursenat am St. Pöltner Landesgericht nur teilweise zur vollendeten Vergewaltigung, der schweren Nötigung, der Freiheitsentziehung und der Blutschande schuldig erklärt.

Geständnis war "Überraschung"
Das umfassende Geständnis war mit seinem Verteidiger Rudolf Mayer nicht abgesprochen. Die plötzliche Schuldeinsicht seines Mandanten in den Anklagepunkten Mord durch Unterlassung und Sklavenhandel wäre auch für ihn "eine Überraschung" gewesen, so Mayer.

Psychisch belastet
Mayer glaubt, dass Fritzl beim zusehen des Videos, beim seine Tochter ausgesagt hat, extrem erschüttert war. Sein Mandant habe danach in der Justizanstalt St. Pölten psychiatrischen Beistand erbeten, um die erstmals gesehenen Szenen mit den belastenden Angaben seiner Tochter verarbeiten zu können, erzählte Mayer: "Es hat bei ihm eine große Erschütterung stattgefunden."

Aber nicht nur die Aussage von Fritzls Tochter E. war ausschlaggebend für die Wende im Prozess: Möglicherweise hat die Anwesenheit der E. den Beschuldigten endgültig einknicken lassen - falls sie tatsächlich anwesend war, wie einige Medien berichten. Demnach soll die 42-Jährige am Dienstag zum nichtöffentlichen Verhandlungstag im Morgengrauen vom Landesklinikum Mauer bei Amstetten heimlich ins Gericht gebracht worden sein. Mayer hat das aber nicht bestätigt.

Für Psychiater Haler nicht überraschend
Für den Vorarlberger Psychiater und Gerichtsgutachter Reinhard Haller kam das Geständnis jedoch nicht überraschend. "Ich habe in irgendeiner Art und Weise mit einem Zusammenbruch gerechnet", erklärte der Experte. Entscheidend für Fritzls Handeln waren seiner Meinung nach die gestrige Präsentation des neonatologischen Gutachtens sowie die Video-Aussagen der Tochter: "Da kamen sicher schlimme Dinge zum Vorschein", so Haller.

Fritzl erlebte Perspektive des Opfers
"Fritzl hat durch E.s Video-Erzählungen die Situation aus der Perspektive des Opfers erlebt", sagte der Psychiater. Vielleicht sei dadurch die Fassade gebröckelt. Falls die Tochter tatsächlich der Verhandlung beiwohnte, könnte auch ihre Präsenz zum Sinneswandel beigetragen haben. "Die Anwesenheit könnte Druck auf ihn ausgeübt haben", so der Experte.

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hierbinich meint am 19.03.2009 08:55

"überraschende" Geständnis gibt es für mich zwei mögliche Erklärungen:

1. Mit RA Mayer als letzter taktischer Versuch abgesprochen, evtl. etwas Milde zu erreichen, oder

2. Fritzl's pervertiertes Bedürfnis nach Macht brach sich Bahn. Er wollte Gericht, Anwalt und den möglicherweise anwesenden Töchtern zeigen, dass er über alle dominiert und entscheidet.

Wenn 1. stimmt, hat sein RA bewiesen, dass er zur Elite derer gehört, die Recht und Gesetz anwenden und auslegen, jedoch ein asoziales Verhältnis zur Gerechtigkeit hat.

Wenn 2. stimmt, wird er seine Macht und den Kontrollverlust in Haft mit Gewalt gegen sich selbst ausgleichen, d.h. Suizid.