Darum stach die Post-Räuberin zu

Sinnlose Attacke

© TZ ÖSTERREICH

Darum stach die Post-Räuberin zu

Zum einen konnten die Fahnder ohnehin in kurzer Zeit die Identität der Täterin aufdecken – Hinweise aus der Bevölkerung führten Samstagabend relativ rasch zur Festnahme der zweifachen Mutter. Zweitens hatte das Opfer, Silvia K. (34) die Angreiferin ohnehin nicht erkannt. Doch Tamara B. war sich beim Coup am Donnerstag um 16.10 Uhr, bei dem sie 33.000 Euro erbeutete, plötzlich sicher gewesen, dass die Postamts-Leiterin sie trotz der Haube und des dicken Schals um das Gesicht erkannt hatte.

Mit weichen Knien, aber mit einer wuchtigen Bewegung stieß die hennahaarige Bankräuberin die 25 Zentimeter lange Klinge des mitgebrachten Küchenmessers direkt zwischen die Rippen in die Lunge ihres Gegenübers. Dann konnte die schlanke, ganz in Schwarz gekleidete Angestellte einer Werkskantine flüchten.

Opfer ganz allein
Silvia K., die seit 16 Jahren bei der Post arbeitet und die ganz allein in der Filiale in Kierling war, konnte mit letzter Kraft noch selbst den Notruf alarmieren, um schließlich blutüberströmt zusammenzubrechen. Die Rettung kam um keine Sekunde zu spät. Die Mutter dreier Kinder wurde mit Blaulicht ins Wiener Lorenz-Böhler-Krankenhaus gebracht. Mit einer Notoperation retteten ihr die Chirurgen das Leben. Gestern, Montag, konnte Silvia K. schon aus der Intensiv- auf eine Normalstation verlegt werden.

Langjährige Kundin
Ihr Mann Manfred zu ÖSTERREICH: „Ihr geht es den Umständen entsprechend gut. Besuch darf sie wegen Infektionsgefahr noch nicht bekommen, worüber unsere drei Töchter sehr traurig sind. Ich habe ihr erzählt, wer jetzt als Täterin verhaftet wurde, und da ist sie aus allen Wolken gefallen.“ Denn beim Überfall hat sie die langjährige Kundin, die gleich ums Eck der Postfiliale wohnt, nicht erkannt.

Mordversuch
Eines steht aber bereits jetzt fest: Tamara B. wird sich vor Gericht nicht nur wegen Bankraubes, sondern vor allem auch wegen Mordversuchs verantworten müssen – auch wenn sie jetzt im Polizeiverhör relativ gelassen behauptet: „Töten wollte ich die Filialleiterin nicht.“

Luxus für Männer
Bei der Hausdurchsuchung in ihrer Wohnung Samstagnacht – sie saß mit ihrem Lebensgefährten und den Kindern beim Fernsehen – spielte Tamara B. zunächst noch das Unschuldslamm. Dann brach es aber aus ihr heraus: „Ich war’s. Endlich kann ich wieder ruhig schlafen.“ Als Motiv gab sie später „reine Geldnot“ an. Die Wahrheit dürfte aber etwas komplexer sein: Die gertenschlanke sportliche Kellnerin wusste ihre Männer nicht anders an sich zu binden, als ihnen ein Luxusleben vorzugaukeln. Immer wieder sprach sie von einer Erbschaft, mit der sie eine Wohnung oder ein Haus kaufen wollte. Mit der Beute finanzierte sie noch am Freitag um 25.000 Euro einen neuen SUV – nicht für sich, sondern für ihren Partner.

Foto (c) BPD

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