Die einsamen Tränen der Miss

Patricia Kaiser

Die einsamen Tränen der Miss

Der Tag war makellos, perfekt, zu schön, um wahr zu sein. Aber dann war da die Linkskurve zwischen Neudörfl und Pöttsching (Burgenland) …

Der Profi-Goalie Gustav Kral (26) hatte sein Team zum Matchgewinn geführt, Patricia Kaiser (25) den Triumph auf ihrer Handycam festgehalten, im Kreise der Familie wurde gefeiert, gelacht, wurden Pläne gemacht.

Hartes Schicksal
Bis das Paar im 333 PS starken Audi S4 zur Linkskurve kommt. In der Nacht des 11. Oktober (übrigens auch der Todestag von Jörg Haider) schlägt das Schicksal ohne Vorwarnung zu. Der Wagen kommt von der Fahrbahn ab, überschlägt sich, der Fahrer- Airbag versagt. Kral hatte keine Chance, ist sofort tot. Patricia Kaiser überlebt. Unverletzt. Sie verzeiht es sich nicht. Bis heute. Das kann nur verstehen, wer Ähnliches erlebt hat. Ein Trauma, würden Psychologen wohl dazu sagen. Es ist seither ein ständiger Begleiter in Patricia Kaisers Leben.

Abschied. Am Mittwoch trägt die Ex-Miss-Austria ihren „Gustl“ zu Grabe, fast drei Wochen nach seinem Tod. Sie muss gestützt werden von den Eltern Gustav Krals, die mindestens ebenso schwer tragen am Schicksalsschlag. Was gibt es Schlimmeres, als das eigene Kind begraben zu müssen? Patricia Kaiser versucht, Haltung zu bewahren. Das hat sie gelernt in ihrem Beruf. Es hilft nichts. Plötzlich begreift sie: Es ist ein Abschied für immer. Da kommen die Tränen.

Totaler Rückzug
Das Schicksal der 25-Jährigen bewegt ganz Österreich. Und jeder wünscht dem Model, dass es bald wieder die Lebensfreude zurückgewinnt. Einen Sinn erkennen kann. Seit dem tragischen Unfall am 11. Oktober hat sich Kaiser komplett aus dem öffentlichen Leben zurückgezogen. Bei ihren Eltern in Oberösterreich sucht sie nach Ruhe und Antworten. Viele Fragen gehen der Ex-Miss in den Tagen nach den Unfall durch den Kopf. Ihre Teilnahme an der ORF-Show „Das Rennen“ mit Armin Assinger hat sie abgesagt, Einladungen – viele gut gemeint – schlägt sie aus, für Interviews fühlt sie sich noch zu schwach.

Ganz allein ist sie trotzdem nicht. Kaiser kapselt sich nicht ab, sondern lässt Hilfe zu. Ihre Tränen, ihre Leere und ihre Zweifel an der Gerechtigkeit teilt sie in den ersten Tagen nach dem tragischen Unfall mit ihren besten Freunden.

Viele Hochs und Tiefs
Sie durchlebt eine emotionale Hochschaubahnfahrt. Manchmal schafft die Ex-Miss es, wieder einen „normalen“ Alltag zu leben. Pendelt zwischen Wien und ihrem Elternhaus in Oberösterreich. Dann gewinnt wieder das lähmende Gefühl der Trauer die Oberhand. „Einen Tag ist es besser, dann wieder schlechter. Man kann nicht sagen, wann sie sich fangen wird“, erzählen Freunde.

Freunde helfen. Auf ihrem steinigen Weg zurück ins Leben ist das Begräbnis ein wichtiger Schritt. „Jetzt hat Patricia endlich einen Ort, wo sie Gustav besuchen kann“, sagt eine Freundin. Und vielleicht die Chance, bald an einen Schlusspunkt in ihrer Trauerarbeit zu kommen.

Da hilft es, dass auch andere fühlen wie sie. Etwa Marc Janko, der Stürmer-Star von Red Bull Salzburg, der beste Freund von Gustav Kral. Seine Rede am Begräbnis ließ endgültig alle Dämme brechen. Die beiden kannten einander seit Jahren, fuhren gemeinsam auf Maturareise, trainierten zusammen, erlebten bei Admira sportliche Höhen und Tiefen. Jankos Rede ist kurz und berührend. Auf zwei A4- Blättern sind jene Worte notiert, die der Stürmer mit Tränen erstickter Stimme vorliest. Bis sie versagt.

Er würdigt den großen Ehrgeiz seines besten Freundes. „Verlieren war bei ihm nicht drinnen“, so Janko bei der Trauerrede. „Selbst wenn es bei der Maturareise darum ging, wer unter Wasser länger die Luft anhalten kann, wollte Gustav immer gewinnen.“ Nur einmal musste sich Kral in seinem Leben geschlagen geben. In einer Linkskurve in der Nacht des 11. Oktober. Leider für immer.

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