Interview mit Bruder

© Steinbacher

"Die haben ihn einfach niedergemetzelt"

Da kniet er, mit Ruderleiberl, Kappe, kurzer Hose. Kevin (20), der ältere Bruder des Schussopfers Florian P. (14), trauert. Bei der Gedenkstätte vor dem Supermarkt, wo alles passierte. Er zündet langsam eine Kerze an - doch die Ruhe täuscht, denn in ihm kocht es.

ÖSTERREICH: Kevin, dein Bruder ist tot, wie geht es dir jetzt?
Kevin P.: Er war mein kleiner Bruder, der von schießwütigen Polizisten von hinten niedergemetzelt wurde. Wie soll es mir gehen, ich bin völlig fertig.

Aber dein Bruder hat eingebrochen, war er ein Verbrecher?
Er hat ein paar Mal g’fladert, das stimmt. Im Mediamarkt mal was mitgehen lassen, er war ein Mitläufer, hat aber nix Großes gemacht.

Konntest du als sein großer Bruder nicht einwirken auf ihn?
Ich hab oft auf ihn eingeredet, hab gesagt: Komm lass den Blödsinn, aber er wollte wohl den Adrenalin-Kick. Trotzdem: Es war nix Großes.

Wie hast du die Nachricht, dass dein kleiner Bruder tot ist, erlebt?
Ich war am Mittwoch in der Früh im Spital und hab mich von meinem toten Bruder verabschiedet. Er hatte noch die Augen offen und überall aus seinem Körper sind Schläuche g’hängt. Den Anblick werd’ ich nie vergessen, mein Leben lang nicht.

Was denkst du über die Todesschüsse?
Die Kieberer sind echt die Letzten, die sitzen doch jeden Tag im Lercherl (ein Lokal, Anm.) und saufen sich an, so wird es auch in der Nacht zum Mittwoch gewesen sein. Die sind froh, wenn sie einmal die Puffn benützen können, auch wenn es gegen meinen Bruder geht.

Das sind aber harte Anschuldigungen …
Wovor soll ich mich noch fürchten, die haben meinen Bruder erschossen und das Leben meiner Familie zerstört.

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