Franz (18) zerbrach 
an Liebes­kummer

Selbstmord?

© privat, Franz Hagl

Franz (18) zerbrach 
an Liebes­kummer

Seit Pfingsten zitterte ganz Österreich um einen vermissten Zimmerer-Lehrling aus Rohrbach. Tausende Menschen posteten Franz Kendlers Fotos auf ihrer Facebook-Seite, Hunderte halfen persönlich mit bei der Suche nach dem 18-Jährigen. Am Donnerstag wurde Franz gefunden – tot, mit Blättern und Ästen bedeckt und einer Gürtelschlinge um seinen Hals. Seine Leiche lag unweit der Traisentalbahn, nur ein paar hundert Meter von seinem Zuhause entfernt, in unwegsamem Gelände.

Was in dem tierlieben Burschen in der Nacht auf Pfingstsonntag vorgegangen ist, weiß niemand so genau. Fest steht, dass er zuvor eine SMS von seiner Freundin bekommen haben soll. Sie wollte die Beziehung beenden. „Es gingen dann mehrere zweideutige SMS hin und her“, bestätigt Josef Schragl vom Landeskriminalamt Niederösterreich. Daraus hatten die Ermittler abgeleitet, dass der 18-Jährige in der Nähe der Bahngleise liegen musste.

Polizeischülerin vernahm als Erste den Leichenduft
Am Donnerstag wagten die Ybbser Polizeischüler noch einen Suchanlauf. Auf den letzten 500 Metern ihrer Suche rief eine junge Schülerin plötzlich auf. „Sie hatte den Leichenduft vernommen und dann ihrem Vorgesetzten Bescheid gegeben“, sagt Schragl.

Die angehenden Polizisten versammelten sich um die Schülerin, schnüffelten, kletterten den Steilhang hinauf und boxten sich durch das Gebüsch. Doch von Franz Kendler keine Spur. Kurz bevor die Suchtruppe aufgeben wollte, entdeckte ein Schüler einen Turnschuh und kurz darauf auch die Leiche. Jetzt soll eine Obduktion Klarheit bringen.
 

Vater: "Wir haben nun Gewissheit"

ÖSTERREICH: Ein herzliches Beileid aus der Redaktion. Wie geht es Ihnen und der Familie jetzt?
Franz Kendler (senior): Es ist endlich Gewissheit da. Ich weiß jetzt, was mit Franz passiert ist und habe bald einen Ort, an dem ich trauern kann. Das ist für mich das Wichtigste.

ÖSTERREICH: Wann haben Sie erfahren, dass die Polizei Franz gefunden hat?
Kendler: Am Donnerstagnachmittag hat es uns die Polizei mitgeteilt.

ÖSTERREICH: Mussten Sie Franz identifizieren?
Kendler: Nein, er hatte seine Geldbörse und seinen Ausweis in der Jackentasche. Ich wollte ihn nicht mehr sehen. Lieber will ich ihn so in Erinnerung behalten.

ÖSTERREICH: Warum hatte man zuvor an dieser Stelle nie gesucht?
Kendler: Wir hatten alles abgesucht. Aber dort hätten wir ihn nie vermutet. Das ist ein absolut unwegsames Gelände.

ÖSTERREICH: Er soll in ­dieser Nacht an Liebeskummer zerbrochen sein. Stimmt das?
Kendler: Ich weiß es nicht genau. Man kann in einen Menschen nicht hineinschauen. Ich wusste nur, dass er eine Freundin hatte.

ÖSTERREICH: Wann planen Sie Franz’ Begräbnis?
Kendler: Anfang nächster Woche soll seine Leiche freigegeben werden. Wir würden ihn dann gerne am kommenden Freitag beerdigen.

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