13. November 2009 11:36
Das Unvorstellbare geschah am Freitag, um 7.45 Uhr früh. Markus N.,
Diensthundeführer bei der Polizei im Waldviertel, kam gerade von der
Nachtschicht nach Hause. Bezirkskommandant Günther Brinnich erzählt, was
passiert ist: „Die Großmutter war mit dem ein Jahr alten Mädchen Hannah
allein zu Hause. Der Hund ist in dem Einfamilienhaus herumgelaufen – in der
Diele ist es dann zur Attacke gekommen.“
Vermutlich war die Oma mit ihrem kleinen Enkerl zur Begrüßung in den Vorraum
gegangen, als der siebenjährige Rottweiler Odin ohne Vorwarnung über das
Kind herfiel. Ob Hannah der Großmutter aus den Armen gefallen war, oder ob
es in einem Kinderwagen saß, ist derzeit noch nicht klar, da niemand aus der
total schockierten Familie imstande ist, über den Vorfall zu sprechen.
Rasende Fahrt
Nachdem es Markus N. und seiner Mutter gelang, den
Hund von seiner kleinen Tochter wegzureißen, wickelte er die schwer am
Oberkörper und am Kopf verletzte Hannah in eine Decke ein und raste ins rund
20 Kilometer entfernte Landesklinikum Waldviertel in Horn.
Laut dem ärztlichen Direktor Dr. Paul Bartusch-Marrain wurde das kleine
Mädchen allerdings „bereits sterbend“ eingeliefert. Ein aus dem
Familienverband per Handy alarmierter Hubschrauber aus Wien – der Hannah ins
AKH hätte bringen sollen – musste unverrichteter Dinge auf halbem Weg
umdrehen.
Wie geht es mit dem Hund weiter?
Bei der Polizei in ganz
Niederösterreich machte die traurige Geschichte ihres Kollegen in Windeseile
die Runde. Landespolizeikommandant Artur Reis: „Als ich die Nachricht hörte,
gefror mir das Blut in den Adern.“ Noch am Vormittag wurden Beamte vom LKA
in den 30-Häuser-Ort Staningersdorf geschickt, um die Biss-Attacke zu
untersuchen. Rottweiler Odin ist übrigens nicht der Diensthund des
Revierinspektors Markus N. Bei der Polizei hat er einen Schäferhund, der
immer außerhalb des Hauses in einem speziellen Zwinger lebt. Der Rottweiler
ist der zweite private Liebling des Hunde-Fanatikers, der jetzt wie die
gesamte Familie vom Kriseninterventionsteam betreut werden muss.
Mutter Karin, die in einer Bank in Horn arbeitet, musste am Arbeitsplatz
erfahren, dass ihr lang gewünschtes, einziges Kind, vom Rottweiler getötet
wurde. Sie brach zusammen. Der Rottweiler ist derzeit im Keller des
Einfamilienhauses eingesperrt. Wie es mit dem Vierbeiner weitergeht, der im
Blutrausch zugebissen hat, ob er eingeschläfert wird, oder ob die Familie
mit dem „Killerhund“ weiterleben kann, ist derzeit unklar.