Jetzt spricht

Matura-Chaos

Jetzt spricht "verstreuter" Lehrer

ÖSTERREICH machte den berühmtesten Professor Österreichs ausfindig. Martin S. erzählt im Interview, wie er die 12 Matura-Arbeiten verlor.

St. Pölten. Das Malheur, über das ganz Österreich schmunzelt, passierte am 20. Mai: HTL-Mathematiklehrer Martin S. schwingt sich in Sankt Pölten nach ­Unterrichtsende auf seine Vespa. Mit im Gepäck: die eben geschriebenen Maturaarbeiten der Klasse 5a HETI. "Es war ein traumhafter Sommertag. Da fahre ich meistens mit dem Moped", sagt er ÖSTERREICH.

Aber auf der Heimfahrt öffnet sich das Topcase seiner Vespa. Der Mathematikprofessor verstreut in ganz St. Pölten 12 Maturaarbeiten. Erst als er zu Hause ankommt, registriert er den Verlust. Die Schüler der HTL St. Pölten mussten die Matura ein zweites Mal schreiben. Alle bestanden.

ÖSTERREICH: Ihr Missgeschick mit den Maturaarbeiten bewegt viele Menschen. Für Ihre Ex-Schüler sind Sie laut Internet-Postings nun der Held, weil sie die Aktion cool finden …
Martin S.: Ich fühle mich aber nicht als Held, sondern mir ist das Ganze ziemlich peinlich. Und es tut mir sehr leid.

ÖSTERREICH: Wie haben Sie sich gefühlt, als Sie entdeckt haben, dass Sie alle 12 Maturaarbeiten verloren haben?
Martin S.: Das Malheur habe ich erst entdeckt, als ich schon zu Hause angekommen war. Für mich ist eine Welt zusammengebrochen, und ich war verzweifelt. Ich habe mich sofort in mein Auto gesetzt, bin die Strecke zurückgefahren, um alle Maturaarbeiten wieder einzusammeln. Aber sie waren in einem schlechten Zustand. Teilweise waren Reifenspuren auf den Arbeiten, also einfach nicht mehr beurteilbar.

ÖSTERREICH: Wie haben es die Schüler aufgenommen?
Martin S.: Sie hatten natürlich keine Freude, aber sie haben es gefasst aufgenommen. Bei der Maturafeier hatten die Schüler eine Gaudi und meinten: „Jetzt haben wir wenigstens eine Erinnerung, über die wir noch in 20 Jahren lachen können.“

ÖSTERREICH: Vielleicht haben die Schüler die Nachricht deswegen so locker aufgenommen, weil die Optik nach so einem Missgeschick nicht gut wäre, wenn dann auch noch ein Schüler durchfällt …
Martin S.: Das hat in dieser Klasse keine Relevanz gehabt. Das waren alles super Schüler. Ein Drittel hat mit Auszeichnung maturiert. Die Schüler haben auch keinen Tag verloren, wir haben gleich eine Woche nach meinem Missgeschick die Matura nachgeholt. Mittlerweile sind alle auf Maturareise.

ÖSTERREICH: Haben Sie mit der Schulbehörde Schwierigkeiten bekommen?
Martin S.: Ich bin seit 15 Jahren Lehrer und war immer zuverlässig. Sowohl der Direktor als auch der Landesschulrat waren sehr tolerant.

ÖSTERREICH: War das Ihre letzte Fahrt mit der Vespa und Schularbeiten oder Maturaarbeiten im Gepäck?
Martin S.: Ich fahre zwar gerne mit dem Moped, aber in Zukunft werde ich sicher nicht mehr damit fahren, wenn ich wichtige Unterlagen mithabe.

Autor: Ida Metzger
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