Pfusch schuld an Atomunfall in Seibersdorf

Sicherheitsleck

Pfusch schuld an Atomunfall in Seibersdorf

Bereits im September 2002 schäumte der Generalsekretär der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEO), Mohamed ElBaradei: Die Analyseanlage in Seibersdorf sei „chronisch und zerstörerisch unterfinanziert“.

Unsicher und alt
Vor Mitgliedern des IAEO-Gouverneursrats ging der Ägypter dann wutschnaubend ins Detail – und sein Vortrag gab tatsächlich Anlass zur Sorge: Die alternde technische Infrastruktur in Seibersdorf gefährde den Auftrag der UNO, Laborproben aus Staaten zu untersuchen, die geheimer Atomwaffenprogramme verdächtigt werden. Weitere Kritikpunkte des Experten: „Die Umkreissicherheit der Anlage entspricht nicht den gängigen Standards.“ Und ein weiteres Problem sei der Raummangel im Labor, bei dem die Gefahr bestehe, gegen die eigenen Sicherheitsvorschriften zu verstoßen.

Mahnungen
Die Mahnungen verhallten ungehört. Im vergangenen November legte der IAEO-Chef vor Diplomaten aus 35 Staaten noch einmal nach: „Seibersdorf braucht 27,2 Millionen Euro für Nachrüstungen, sonst droht ein immer höheres Risiko.“ Sonntag um 2.30 Uhr kam es dann tatsächlich zu einem Unfall in der mehr als 30 Jahre alten Anlage: Wie berichtet, platzte in einem Labor eine Flasche mit Plutonium – zum Glück offenbar ohne Folgen für Mensch und Umwelt.

Sicherheit
Zwar können schon winzige Mengen des Metalls bei direktem Kontakt mit dem Körper Krebs auslösen. Aber beim Unfall waren keine Menschen im Raum. Und die Radioaktivität dürfte zur Gänze in den Abluftfiltern des Labors zurückgehalten worden sein. Jedenfalls zeigen Messstellen keine erhöhte Strahlung an. Und in einer offiziellen Aussendung heißt es: „Alle Sicherheitsstandards wurden erfüllt.“ IAEO-Chef ElBaradei wird sich wundern.

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